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350 Kap. 23. Von Claudius Gelee, oder Lorrain,
Muͤller wurde zum Mitgliede des Rahts erwaͤhlt, und lebte noch um das Jahr 1680.in gutem Anſehen.
Das 23. Kapitel.
Von Claudius Gelee, oder Lorrain, und ein und zwanzigandern Kuͤnſtlern.
265. Claudius Gelee.
Der beruͤhmte Landſchaftmaler Claudius Gelee, welchen man gemeiniglich Clal;de Lorrain nennt, wurde zu Chamagne in Lothringen von ſchlechten und au,men Eltern geboren, und als Knabe zu einem Paſtetenbecker geſchickt. Nachdem er disEltern im zwoͤlften Jahre verloren, ſahe er ſich von allem entblößt, und genoͤthigt, zu eneBruder, einem Holzſchneider in Freyburg, ſeine Zuflucht zu nehmen. Das natürlich
Talent zur Kunſt aͤuſſerte ſich bald, und Gelee kam im Zeichnen in kurzer Zeit ſo wengdaß ſich ein gewiſſer Spizenhaͤndler von ſeiner Verwandſchaft erbot, ihn umſonſt m
nach Rom zu nehmen.
Bey der Ankunft in Rom kam Gelee zu Auguſtin Taſſi, einem Schuler 1Paul Bril, welcher Architektoniſche Zierathen, Frieſe und Perſpektiven malte. 5,Armuth rieb er anfangs die Farben fuͤr ihn, beſorgte die Kuͤche, und die haͤuslichen 1gelegenheiten. Als Taſſi aber ſein Genie merkte, gab er ihm einige Anleitung 75Grotesken⸗ und Perſpektiv⸗Malerey. Nach Verlauf eines Jahrs bekam Gelee en.ge Landſchaften von Gottfried Walls, einem gebornen Koͤllner, der aber beſtaͤn fzu Neapel lebte, zu Geſichte, die ihn bewogen, nach Neapel zu reiſen. Zwey Jas flang uͤbte der junge Kuͤnſtler ſich unter dieſem Meiſter in Landſchaften, mit Rugeund Architektur, die zwar von ſeinem gluͤcklichen Genie zeigten, denen es aber 11ihren ubrigen Vorzuͤgen an guten Figuren, und an der Linien⸗Perſpektiv fehlte/ 8paar Mangel, die ſich in allen Stuͤcken dieſes ſonſt ſo groſſen Meiſters aͤuſern.
Nach der Zuruͤckkunft in Rom fieng er an fuͤr ſich allein zu arbeiten, und helgeſich wider aller Vermuthen, da ihn bisher niemand gekannt hatte, auf einmal als 115groſſer Maler. Seine Werke fanden Beyfall, ſo daß er kaum im Stande war 155le Liebhaber zu befriedigen. Man muß den Gelee hauptſäͤchlich als einen Kuͤnſtler 2trachten, der ſich durch ſein vortrefliches Genie hob, und der ein LehrlingNatur war: denn ſeine beyden Lehrmeiſter waren ein paar mittelmaͤſſige Malederen Werke mit des Schuͤlers ſeinen in keine Vergleichung geſtellt werden konntell.Er brachte ganze Tage im Felde zu, um auf die geringſten Veraͤnderungen in der L
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acht zu geben: daher findet man ſie auch alle in ſeinen Gemaͤlden getreulich kopiWind, Sturm, Ungewitter, Regen, Nebel, Duͤnſte, Demmerung, Morgenrbſemit einem Worte was eine Landſchaft nur reizend, oder fuͤrchterlich machen, un.Zuſchauers Aufmerkſamkeit erregen kann, war darinn angebracht: und eben dieſe en,aͤnderten Scenen gaben ihnen die angenehmſte Abwechſelung. Wann er etwas beſonderes bemerkte, zeichnete er es entweder auf der Stelle ab, oder gieng gleich nach 41ſe, und brachte die Veraͤnderung des Himmels, welche einen lebhaften Eindruck 5 5ihn gemacht hatte, in ſein Gemälde. Daher findet man in ſeinen Landſchaften feiltWarheit, und Uebereinſtimmung mit der Natur, welche dem Unwiſſenden gef,und den Kenner entzuͤckt. Gelee bekuͤmmerte ſich uͤbrigens um keine Regeln, ſofolgte blos der Natur; ſeinem gluͤcklichen Talente hatte er es zu danken, daß diezchſtgen und Gegenſtaͤnde mit Geſchmak gewaͤhlt ſchienen. Im uͤbrigen war Gelee hö
unwiſſend, und mit genauer Noth im Stande, ſeinen Nahmen zu ſchreiben. As
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