360 Kap. 23. Von Claudius Gelee, oder Lorrain,
In kurzer Zeit entwickelten ſich ihre Talente, ſie malte Blumen, Pflanzen und In-ſekten mit einer bewundernswuͤrdigen Aehnlichkeit nach dem Leben. Zugleich leg.die Kuͤnſtlerin ſich auf die natuͤrliche Geſchichte, und lernte die lateiniſche Sprache.
Als ſie das achtzehnte Jahr erreicht hatte, verheyrathete die Merian ſich alobgedachtem Graaf. Weil ſie aber bereits unter dem Nahmen Merian ſehr bekanntwar, ſo behielte ſie den Nahmen bey, und alle ihre Werke ſind oͤffentlich unter dem-ſelben erſchienen. Einige melden Graaf habe den Nahmen Merian in der Folge ebenfalls angenommen. Sie gebar zwo Toͤchter, die aͤlteſte, Johanna Helena, geboren1668. welche ihre Mutter nach Surinam begleitete, und Maria Dorothea, geboke1678. welche zu Amſterdam Miniaturſtuͤcke von Blumen malte. Die SorgenKinderzucht, und des Hausweſens verminderten ihre Neigung zum malen nicht, 1dern ſie wandte vielmehr alle muͤſſigen Augenblicke dazu an.
Nachdem ſie einen groſſen Vorrath von Inſekten auf das ſorgfaͤltigſte abge,zeichnet, und ihre Verwandlungen richtig bemerkt hatte, ließ ſie beyde in Kupfer sikchen, und gab davon ein beſondres Werk in Folio heraus, welches den Titel fuhrt:Hiſtorie der Inſekten von Europa, nebſt ihrer Erzeugung, Verwandlung, undPflanzen, worauf ſie ſich naͤhren. Es erſchien anfangs teutſch und franzöſiſch/ 1.nachgehends, wie ſie ſich in Holland aufhielte, auch in hollaͤndiſcher Sprache. DinHerausgabe dieſes Werks, worinn man ſo viel Kunſt als Einſichten fand, erwarhesihr eine allgemeine Hochachtung ſo wohl bey den Liebhabern, als auch bey den 0turkuͤndigern. Die Generalſtaaten, welche die natuͤrliche Hiſtorie von urinalzum beſten ihrer dortigen Pflanzoͤrter unterſuchen laſſen wollten, richteten ihr Algemerk auf die Merian, und trugen derſelben nebſt Verſprechung eines ſtarken Gehaltauf, dahin zu reiſen, und die merkwuͤrdigen Pflanzen und Inſekten abzuzeichnen-Keine Gefahren und Unbequemlichkeiten einer ſo weiten Reiſe ſchreckten dieſe unermüdelKuͤnſtlerin ab, wenn ſie ihre Neigung zu Entdeckung mehrerer Inſekten befriedigen konnte.
Im Jahr 1698. trat ſie die Reiſe in Begleitung ihrer Tochter Johanna Hele-na an, und brachte zwey Jahre zu, mit unermuͤdetem Fleiſſe die Inſekten, ihre Pur,pen, und Verwandlungen, nebſt den Pflanzen, worauf ſich ein jedes naͤhrt, abzuzeich,nen, und zu allen als eine ſorgfältige Naturforſcherin Anmerkungen zu machen. HaSchlangen, die Froͤſche und Kroͤten dieſes Landes wuͤrdigte ſie gleichfalls ihrer Aul-merkſamkeit. Ein jedes Thier war nach dem Leben mit der groͤßten Richtigkeit unSauberkeit abgemalt. Nach der Zuruͤckkunft uͤberreichte ſte die geſammleten Schaihren Obern, welche erlaubten ſolche durch eine oͤffentliche Herausgabe gemeinnützig 1zu machen. Dies Werk erſchien unter dem Titel: Hiſtorie der Inſekten von Sur,nam, in verſchiednen Sprachen, und macht einen Band mit 60. Kupfertafeln in Nalfolio aus. Einige Exemplare ſind unter ihrer Aufſicht vortreflich, und nach denOriginalzeichnungen genau illuminirt, und dieſe ſind, wie leicht zu erachten, ſehr ſelkenund koſtbar. Die beruͤhmte Merian lebte nach dieſer Reiſe noch viele Jahre, 1wurde von jedermann wegen ihrer Kunſt und Wiſſenſchaft geehrt. Sie erreichte ehohes Alter, und ſtarb 1717. im 71. Jahre zu Amſterdam.
284. Anna Maria Pfrindt.
Anna Maria Pfrindt, oder wie Doppelmayer in ſeiner Nachricht von Nuͤrl-bergiſchen Kuͤnſtlern ſie nennt, Pfruͤndt, wurde zu Lion 3— 5 Ihr VaterGeorg, erblickte die Welt im Jahr 1603. in Franken, und wurde ein in vielen Dilgen erfahrner Kuͤnſtler. Er war ein Bildhauer und Stahlſchneider, und verſtund 05wohl die buͤrgerliche als Civilbaukunſt, arbeitete viel fuͤr verſchiedene Hofe, und ſt
1663. Im folgenden Kapitel kommt er unter Numero 8. wieder vor. Die To 105