als Bildhauern, Steinſchneidern und Baumeiſtern 381
tigen Umſtaͤnden, weil er zu lange uͤber einer Arbeit zubrachte, und ſich ſolche nichtnach Verhaͤltniß der darauf verwandten Zeit bezalen ließ. Eines von den vollkom-menſten Werken des Quesnoy, iſt unſtreitig die herrliche Statue des heiligen Andreasvon coloſſaliſcher Groͤſſe in der Peterokirche. Man bewundert an dieſer Statue vonoppelter Lebensgroͤſſe den maͤnnlichen Ausdruck, die richtige Zeichnung, und uͤber-gaupt die ganze Bearbeitung des Marmors.
Quesnoy verfertigte aus Helfenbein einen Chriſtus am Kreuze anderthalbSchuh hoch. Als Pabſt Urbanus VIII. ſolchen zu Geſichte bekam, fieng er an denunſtler hochzuſchaͤtzen, weil man in dieſem Werke eine meiſterhafte Zeichnung undusfuͤhrung bemerkte. Er trug ihm deswegen auf, jetztgedachte Statue des heiligenndreas auszuarbeiten.
Dieſer Kuͤnſtler beſaß eine auſſerordentliche Geſchicklichkeit in Kindern. Ermachte deswegen viele kleine Liebesgoͤtter, oder den jungen Bachus mit Trauben,junge Faunen und Satyren, ſchlafende Knaben, und ſo weiter. In ihren Geſichternachelte Jugend und Anmuth, die Gruͤbgen in den Wangen, die fetten Arme und
eine waren ſo weich gearbeitet, daß es ſchien, als koͤnnte man ſie wie wuͤrklichesFleiſch eindruͤcken. Weil er in den erſten Jahren viele derſelben in Wachs puſſirte,welche durchgehends beliebt waren, ſo beneideten ihn die Italiener deswegen, undſagten er koͤnne nichts rechtes in Marmor zu ſtande bringen. Um dieſen ungegruͤn-deten Vorwurf von ſich abzulehnen, machte er einen vortreflichen Cupido. der einenBogen ſchnitte, und ein Meiſterſtuͤck war, aber von den mißguͤnſtigen Roͤmern nureſto mehr verachtet wurde. Weil ſie ſich bemuͤheten dieſes in der ganzen Stadt auszu-breiten; ſo fand ſich kein Liebhaber, der ihn zu kaufen wagte. Quesnoy behielt ihnlange in ſeiner Werkſtatt, bis Sandrart nach Rom kam, und mit ihm bekannt wurde.ieſer ſahe den Werth der Arbeit ein, und berichtete es einem niederlaͤndiſchen Lieb-aber, welcher alſobald Befehl gab, die Statue zu kaufen. Nach des Beſitzers Todeaufte der Rath zu Amſterdam dieſen Cupido von den Erben fuͤr 6000. Gulden, umer Prinzeßin von Oranien, die einen auſſerordentlichen Wohlgefallen daran gefun-en hatte, ein Geſchenk damit zu machen. Eben ſo viel ſchadeten ihm ſeine Feinde bey derStatue des heiligen Andreas, ſie verdurben ſeine Modelle in der Peterskirche, mach-ken daß ſich Anfangs die Auslieferung des Marmors verzoͤgerte, und brachten es da-in, daß ihm der monatliche Gehalt bey der paͤbſtlichen Kammer vorenthalten, oderwenigſtens ſehr unrichtig ausgezahlt wurde, ob der Pabſt gleich zu wiederholten malenausdruͤckliche Befehle deswegen gegeben hatte.
Quesnoy, der ſich bey dieſem groſſen Werke Leute zu halten gendthigt ſahe,gerieth dadurch in Schulden, und waͤre ohnfehlbar gezwungen worden, die Arbeit lie-gen zu laſſen, wenn er nicht an dem Prinzen Juſtiniani, der die koſtbare Gallerie an-egte, einen großmuͤthigen Beſchuͤtzer gefunden hatte. Dieſer beſtellte eine groſſe Statue
er Juno bey ihm, und bezahlte das Geld zum Voraus, wodurch Quesnoy in denStand kam, erſt den Andreas zu vollenden. Wie die Statue fertig war, bewunderteie jedermann, ſeine Feinde konnten ihr das verdiente Lob nicht abſprechen, und viele
hielten ſie fuͤr das vollkommenſte Werk neuerer Zeit.
N 8 wi eitlaͤutig ſeyn, alle Werke dieſes Kuͤnſtlers anzufuͤhren. Er hateine Nene Wilen ber bn damals in Rom lebenden Perſonen verfertigt,le alle eine gluͤckliche Aehnlichkeit hatten. Quesnoy fuͤhrte ein ordentliches Leben, waron einem gefaͤlligen Charakter und aufgerdumten Weſen, und machte ſich ſeinenreunden durch ein aufrichtiges Betragen dd Es waͤre vielleicht ein W