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402 Rap. 26. Von dreyzehn franzoͤſiſchen Malern.

mehr nach der Natur, und einigen italieniſchen Werken der Kunſt, welche ſich dazu-mal bereits in Paris befanden. Im vierzehnten Jahre muſte er nach England, umdort eine Dame abzuſchildern, und im Jahr 1611. nahm ihn der koͤnigliche Geſandtemit ſich nach Conſtantinopel, wo er den tuͤrkiſchen Kaiſer waͤhrend der Audienz ſahe/und aus dem Gedaͤchtniſſe abzeichnete. Der Aufenthalt in der Tuͤrkey, war nichtnach des Kuͤnſtlers Geſchmack, uͤberdieſes fand ſich auch wenig zu thun: er gieng deswegen zu Schiffe nach Venedig. Hier uͤbte er ſich eine zeitlang nach Paul Veroneſe/und beſuchte darauf Rom, wo Caravagio und Valentin ſeine Muſter wurden.

Vuobouet hielt ſich vierzehn Jahre in Italien auf, und ſtund wegen ſeinet Ge-ſchicklichkeit in groſſem Anſehen, welches unter andern daraus abzunehmen, daß ihder Herzog von Bracciano nach Genua ſchickte, um ſeine Braut abzuſchildern.dieſer Gelegenheit bediente der Fuͤrſt von Doria ſich der Hand des Vouet. Unter derZeit beſtieg der Kardinal Barberini, ſein groſſer Goͤnner, den paͤbſtlichen Thron, unfieß ſich nebſt ſeinen Nipoten durch ihn abſchildern. Im Jahr 1624. wählte man ihnzum Vorſteher der Malerakademie von St. Lukas. Vouets Ruf kam bald nach aris, dies bewog Ludwig XIII. ihm einen Gehalt auszuſetzen, den er viele Jahre langin Rom genoß. Im Jahr 1627. berief der Koͤnig ihn nach Paris zuruͤck, und gaihm, nebſt dem Titel des erſten Hofmalers, eine Wohnung im Louvre. Anfangs muer ſowohl in dieſem, als im Luxrenburgiſchen Pallaſte, und zu St. Germain en Layemalen, und darauf Kartons zu Tapeten verfertigen. Der Koͤnig war ein ſolcher Vieb-haber der Malerey, daß er ſich von dem Kuͤnſtler im Paſtellmalen unterrichten ließ.

Nicht nur Vouel, ſondern auch ſeine Frau, eine Roͤmerin de Vezzo genannt, diebenfalls den Pinſel zu fuͤhren verſtand, muſten oft im Beyſein des Koͤnigs arbeitenund fanden dadurch bequeme Gelegenheit ſich in ſeine Gunſt zu ſetzen, und man 0eGeſchenk zu erhalten. Dem Beyſpiele des Monarchen folgten die Groſſen, inſon-derheit der Kardinal Richelieu, welcher im Palais royal die Kapelle und Gallerie dure

ihn malen ließ.

Der Koͤnig in England verlangte ihn nach London, der Kuͤnſtler muſte die Ehreaber ausſchlagen, weil er zuviel bey Ludwig XII. zu thun hatte. Die uͤberhaͤuften.ſtellungen von Privatperſonen noͤthigten den Vouet eine hurtigere Manier anzunehmen,die aber oft gar zu eilfertig chien. Dazu kam, daß er, um noch mehr zu liefern, dieSchüler, die zum Theil noch nicht ſtark genug in der Kunſt waren, nach ſeinen? eich-nungen arbeiten ließ, ihre Arbeit retuſchirte, und flüchtig ausbeſſerte, und dieſe mittelmaͤſſigen Stuͤcke nachgehends fuͤr Werke von ſeiner Hand verkaufte. Dadurcher ſeiner Ehre vielen Schaden, und ſehien in ſeinen Werken ſehr ungleich. In demwas er eigenhaͤndig gemacht hat, zeigt ſich allemal eine gute Anordnung, und viel Genie ·Seine Zeichnung war richtig. Anfangs ahmte er im Kolorit dem Paul Veroneſe nach,und malte in dem kraͤftigen Geſchmack des Valentin, in den letzten Jahren fiel er a 5zu ſehr ins graue. In ſeinen Koͤpfen fehlt oft der Ausdruck, viele derſelben ſind 50kleinen aufg⸗worfnen Raſen. In den Handen zeigt ſich viel maniertes. Deſto glück,licher war er, kleine Kinder zu malen. Uebrigens hat kein franzöſiſcher Kuͤnſtler ſo vicGemaͤlde hinterlaſſen. Gegen ſeine Schuͤler war er auſſerordentlich gefaͤllig/ unſuchte ihnen die Erlernung der Kunſt ſo leicht zu machen, als möglich. Er hat dereneine ſo groſſe Menge gebildet, daß man ihn gleichſam als den Vater der vorzüglichſtesKüͤnſtler anſehen kann. Wir wollen darunter zuerſt den le Brun, le Sueur, un. 1ter Mignard nennen. Die weniger beruͤhmten ſind Franz Perrier, der alte Dorigm“die beyden Teſtelins, Alphonſus du Fresnoy, Johann Baptiſta Mola, und ſo Wolel