Kap. 26. Von dreyzehn franzoͤſiſchen Malern. 403
Vouet, deſſen Bildniß man auf der Platte F. F. ſieht, ſtarb 1641. zu Paris im 59.
Jahre. Man hat gegen 200. Blatter nach ihm geſtochen.
3. Valentin.
Man findet dieſen Kuͤnſtler bey den franzoͤſiſchen Schriftſtellern, allemal bloßunter dem Nahmen le Valentin, daher man ſeinen Taufnahmen nicht angeben kann.argensville fuͤhrt ein neapolitaniſches Manuſcript an, welches ihn Moſes nennt.Dieſer Kuͤnſtler wurde zu Colomiers in der Landſchaft Brie im Jahr 1600. gebohren;zeigte von Jugend auf viel Genie zur Malerey, und begab ſich zu dem Ende in VouetsSchule, wo er in kurzer Zeit, ſehr weit kam. Die Begierde Italien zu ſehen, undſich dort vollkomner zu machen, zog ihn dahin, er muſte aber, zum groſſen Verluſte derKunſt, ſein Leben daſelbſt fruͤhzeitig beſchlieſſen.
Er verliebte ſich in des Caravagio Manier, und nahm dieſelbe ſo genau an, daße nicht nur eben ſo ſchwarz malte, ſondern auch ſolche groſſe dunkle Partien in dieGemaͤlde ſetzte, und dadurch eine kraftige Wirkung zuwege brachte. Das be-ſtaͤndige ſtudiren nach dem Caravagio und ſeinem ihm in allen ähnlichen Schuͤleranfredi, verleitete ihn auch dieſelben Gegenſtande zu waͤhlen. Man ſahe in ſeinenBildern bald Spiel⸗ oder Tobacksgeſellſchaften, bald Zigeuner, bald Soldaten, oderConcerte: und die meiſten beſtunden nur aus Figuren bis auf den halben Leib. Daßer aber auch zu edlern hiſtoriſchen Vorwuͤrfen geſchickt war, davon hat er in der Pe-terskirche zu Rom einen ſchoͤnen Beweis gegeben, wo er auf Befehl des Kardinalsarberint, eines Vetters von dem Pabſt Urban III, die Marter des heiligen Proceſ-ſus und Martinianus in einem groſſen Altarblatte vorſtellen muſte. Valentin hat ſichdarinn als einen groſſen Kuͤnſtler gezeigt, es iſt nur zu bedauern, daß er ſich ſo ſeltenin das hiſtoriſche Feld wagte.
Veieelleicht iſt es auch zum Theil ſeiner kurzen Lebenszeit zuzuſchreiben, daß Valen-kins Gemaͤlde uͤberhaupt ſelten ſind. Aus eben der Urſache hat er auch keine Schuͤ-ler bilden konnen. Er war ſelbſt die Urſache ſeines fruͤhzeitigen Todes, denn als er ſicheines Tages mit guten Freunden beluſtigt, und durch den Wein erhitzt hatte, ba-dete er ſich in dem Brunnen des ſpaniſchen Platzes, ward plotzlich krank, und muſtewenige Tage darauf 1632. im 32. Jahre ſterben. Sandrart, der eine vertraute
ekanntſchaft mit ihm unterhalten, begleitete ihn zu Grabe. Ein andrer Freund vomalentin war der beruͤhmte Poußin. Dieſer ſuchte jenem zuweilen nachzuahmen, da-her man in Rom zu ſagen pflegte, Poußin beſaͤſſe mehrere Staͤrke im Ausdruckder Leidenſchaften, Valentin hingegen nähere ſich der Natur mehr. Valentin ver-iente auch einen Vorzug vor dem Caravagio, weil er zwar kraͤftig und dunkel, aberdoch nicht ſo uͤbertrieben ſchwarz malte. Inzwiſchen bleibt es allemal ein Fehler,aß dieſer Meiſter zu ſehr auf die Wuͤrkung ſeiner Gemaͤlde ſahe, daruber den edlentil in der Zeichnung und den Umriſſen verſaͤumte, und nicht nach dem gefaͤlligen undreizenden trachtete. Vielleicht wuͤrde er ſich ben einem laͤngern Leben in dieſem Punktegebeſſert, und wie Guido Reni, die erſte dunkle Manier in eine ſanftere und gefäalligereverwandelt haben. Das Feuer der Einbildungskraft, und die fluͤchtige Hand, verlei-teten ihn zuweilen zu Nachlaßigkeiten, die er bey mehrerm Fleiſſe und Nachdenkenatte vermeiden konnen. Verſchiedene ſeiner Gemaͤlde ſind von guten Meiſtern ge-kochen.
»Eee 2 4. Nico-