Kap. 27. Sechzehn franzoͤſiſche Rupferſtecher. 4795. Franciſcus und Nicolaus Poilly.
Franciſcus Poilly, ein vortreflicher Kupferſtecher, war im Jahr 1622 zu Abbe-ville gebohren. Das Leben dieſes groſſen Meiſters hat R. Hecquet beſchrieben, und zu-gleich ein genaues Verzeichniß aller ſeiner Werke gegeben, welche aus 226 Blaͤtternbeſtehen. Poilly lernte die Anfangsgruͤnde der Zeichenkunſt von ſeinem Vater, derein Goldſchmied war, und genoß darauf den Unterricht des oben beruͤhrten PetrusDaret zu Paris, der ihm in kurzer Zeit das Kupferſtechen beybrachte. Im Jahr1649 gieng er nach Rom, und ſtach daſelbſt, wahrend ſeines Aufenthaltes beynahe vonſieben Jahren, vielerley Blaͤtter von verſchiedner Groͤſſe, nach den beſten italieniſchen
eiſtern. Nach der Zurückkunft war er ein ſehr fleißiger Kuͤnſtler, und bekam imJahr 1664 den Titel eines Hofkupferſtechers.
Der Aufenthalt in Italien hatte den Poilly zu einem vortreflichen Kuͤnſtler gemacht.Er wußte die Manier des Malers, nach dem er ſtach, genau beyzubehalten, unddruckte die edlen Gedanken und ſchoͤnen Zuͤge des Originals gluͤcklich aus. SeineBlaͤtter ſind, ein einziges Portraͤt ausgenommen, alle mit dem Grabſtichel verfer-tigt, welchen er mit einer feſten Hand, und ungemein ſauber zu fuͤhren, und gleich-wohl einen kraͤftigen Ausdruck zuwege zu bringen wußte. Der Kuͤnſtler verdient auchvon Seiten ſeiner guten Sitten gelobt zu werden, denn er hat nie ein unanſtaͤndigesBlat geſtochen. Er ſtarb zu Paris 1693.
Johann Baptiſta Poilly war des vorigen Franciſeus Sohn, der in des Va-ters Fußſtapfen trat, und ein geſchickter Kupferſtecher ward. Er hat viele hiſtori-ſche Blatter, inſonderheit nach Anton Coypel, und die Gallerie zu St. Cloud nachMignard, geſtochen. Sein Sohn ward gleichfalls ein Kupferſtecher, welcher umdas Jahr 1730 zu Paris arbeitete.
Nicolaus Poilly, war ein Bruder und Schüuͤler des Franeiſeus, er ſtach vielſchoͤne Bildniſſe, und andre Sachen. Er kam ſeinem Bruder nicht gleich, war abergleichwohl ein ſehr geſchickter Kuͤnſtler, und ſtarb zu Paris im Jahr 1. 95 im 49. ſeinesAlters. Man muß ihn mit einem andern Nicolaus Poilly, der ein Maler war, undbey Jouvenet und le Brun lernte, nicht verwechſeln.
6. Abraham Boſſe.
Abraham Boſſe aus Tours gebüͤrtig, ein geſchickter und fleißiger Kupferetzer,der viele Meiſter ſeiner Zeit uͤbertraf, und gegen 800 Blaͤtter lieferte. Er verfer-ligt ein ſehr nuͤtzliches Buch von ſeiner Kunſt, unter dem Titel: De la maniere deSraver à l'eau forte et au burin, et de la Sravure en Maulere Doire, avec la fa-don de conſtruire les preſſes modernes, et d' imprimer en taille douce. Dieneueſte und vermehrte Ausgabe iſt 1745 zu Paris mit neunzehn Kupfern herausge-kommen. Es iſt nicht nur verſchiedne mal franzoͤſiſch, ſondern auch in fremden
Sprachen ſeines Nutzens halben gedruckt worden.
Gg 2 Boſſe