4²⁰ Kap 27. Sechzehn franzoͤſiſche Kupferſtecher.
Boſſe arbeitete um das Jahr 1650 in Paris. Auſſer ſeinen vielen Kupferſti-chen, und dem obgedachten Tractat, hat man noch ein paar andre gute Buͤcher vonihm, als Maniere de deſſiner les cinq ordres d Architecture et toutes les partiesqui en dependent ſuivant F antique, in Folio mit mehr als hundert Kupfern; Reglede la pratique de la Perſpective. Er gab auch eine Anleitung zur Geometrie, undein Buch von den Verhaͤltniſſen des menſchlichen Koͤrpers heraus. Die pariſer Aka-demie nahm ihn zum Mitgliede auf, und ernannte ihn zum Lehrer der Perſpektiv, ergerieth aber mit verſchiedenen Mitgliedern derſelben in weitlaͤuftige Streitigkeiten,welche endlich dergeſtalt uͤberhand nahmen, daß man ihn, um Friede zu ſtiften, da-von ausſchlieſſen muſte.
7. Nicolaus Perelle.
Nicolaus Perelle, ein bekannter Kupferetzer aus Paris gebuͤrtig. Er lerntedieſe Kunſt von ſeinem Vater Gabriel Perelle, und ahmte der Manier des im vort“gen Artikel gedachten Abraham Boſſe nach. Man hat von ſeiner Hand eine ſehrgroſſe Menge Landſchaften nach Poußin und andern Meiſtern, und nicht wenigerProſpekte von wuͤrklichen Gegenden. So gab er zum Exempel eine Folge von Pro-ſpekten der Stadt Paris, ihre vornehmſten Pallaͤſte, Gaͤrten, Bruͤcken, Kirchen/fentliche Platze, eine andre von den Staͤdten und Gegenden Frankreichs, ſo aueviele Proſpekte von Rom, den daſigen Ruinen, und italieniſchen Gegenden in kleinemFormat heraus. Ob Perelle gleich wurkliche Gegenden in groſſer Menge geſtochen,ſo hat er der Natur doch nicht genug nachgeahmt, er behaͤlt vielmehr allemal etwasmaniertes, und das ſich von der Wahrheit entfernt. Seine fruchtbare Einbildungs-kraft weis den idealiſchen Landſchaften ſo viel Abwechſelung, einen ſolchen Reichthunan mancherley Gegenſtaͤnden zu geben, dergleichen man in der Natur nicht antrift/aber eben dieſer Ueberſtuß iſt Urſache, daß das Auge in manchen Blattern keineRuhe findet, ſondern verwirrt wird.
Perelle hat etwas eignes in ſeiner Manier, er verbindet eine dreiſte Handmit einer zierlichen Nadel. Seine Baͤume verdienen vorzuͤglich Lob, der Bauleſchlag iſt locker und die Aeſte lauffen leicht und artig; jedoch herrſcht etwas zu vieleinfoörmiges in ſeinen Baͤumen. Er weiß das Licht geſchickt zu vertheilen, bringtaber die Widerſcheine faſt gar zu haͤuſig an. Antonius Perelle war des NicolauSohn, und lernte bey Simon Vouet. Er malte und aͤtzte Landſchaften, kam aberim azen dem Nicolaus nicht bey. Alle drey Perelle hatten einerley Manier; obigeAnmerkungen betreffen aber vornaͤmlich den aͤlteſten. Der Großvater iſt unter ihnender beſte, und der Enkel der ſchlechteſte. Der Abt Marolles giebt von ihnen be-reits im Jahr 1666 gegen 800 Blaͤtter an.
8. Johann S. Marot.
Johann S. Marot, ein Baumeiſter und Kupferetzer zu Paris. Er wal einfleißiger Arbeiter in Bekanntmachung der vornehmſten Gebaͤude, Gaͤrten, Kirchen/Springbrunnen, von Paris, der umliegenden Gegend, und andern Staͤdten.gab auch Gebäude von eigner Erfindung heraus. Man hat aber auch hiſtorſſche