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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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A

weniger grosses Materiale zum Meere, aber ununterbrochen diefeine Trübung, welche so lange ausfällt, bis schliesslich der feineSchlamm auch den Sand, die kleinen Gerolle und Geschiebe längsdes Strandes überbaut.

Mit einem Male kommt wieder eine Sturmperiode; Stein- undSandmassen schieben sieh vom Lande her und überlagern denfeinen Thon; dann kommt wieder eine Periode der Ruhe, dannwieder Sturm u. s. f.

Die Folge davon wird sein, dass draussen in der hohen Seelauter feiner Schlamm sich ansammeln wird, hundert und hundertFuss tief, am Ufer aber werden wir einen steten Wechsel vonThon, Sand, Schotter und wieder Thon und grobes Materiale vor-finden müssen. Und das ist auch wirklich der Fall; in unseremWiener Becken kann man dies an zahllosen Punkten immer undimmer wieder beobachten.

Den ganzen Vorgang aber nennen wir die Sedimentbildung,die abgelagerten Materialien, Sedimente und Schichten, und treffenwir ausnahmslos an den Ufern vorherrschend grobes Sediment, inder Ebene feines Sediment.

Auf Hauers grosser geologischer Karte von Oesterreich sehen wir in blassgelben und in lichten grünen Farben die grosseungarische Niederung oder das ungarische Becken und danebendie Niederung von Wien oder das Wiener Becken aus den sieumrahmenden Randgebirgen hervorleuchten.

Das Becken von Wien wird von dem östlichen Abfall derAlpen , dem Ostrand des böhmisch-mährischen Granit-Massivs einer-seits, und den Westabhängen der grossen und kleinen Karpathen, derHainburger Berge, dem Leitha - und Rosaliengebirge andererseitsbegrenzt; reicht daher von Gloggnitz bis über Brünn und Olmütz hinaus, wo es sich gabelt und mit dem galizischen Becken zusammen-hängt. Wir theilen dasselbe in zwei Ilauptpartien, in das alpineund das ausseralpine Becken, werden aber für unseren nächstenZweck nur von dem ersteren sprechen.

Wien , die Haupt- und Residenzstadt von Oesterreich-Ungarn ,liegt, wie bekannt, im Donauthale, unterhalb der Stromenge beiKlosterneuburg , fast unmittelbar an jenem langen Gebirgsspalt,welcher durch den jähen Absturz der Alpen gebildet wird, unddurch die längs desselben auftretenden warmen Quellen besondersausgezeichnet ist. Der gegenüberliegende Flügel der Alpen, dasRosalien- und Leithagebirge und die kleinen Karpathen schliessenin dreieckiger Figur die Niederung ein, welche wir das alpineWiener Becken nennen, dessen Spitze bei Gloggnitz ist, während