Die jüngeren Formationen der Trias und des Jura fehlenganz, die Kreide ist nur in einzelnen gleichsam rudimentärenPartien vertheilt sichtbar. Eine Tiefbohrung bei Ostende hat zumBeispiel ergehen, dass die 600 Fuss mächtigen Tertiärschichten aufeinem Kreidedepot lagern, das noch 300 Fuss mächtig war undwelches seinerseits unmittelbar auf dem Silurischen aufsass.
Wenden wir uns nun Brüssel und speciell dem Boden der Stadtund seiner Umgebung zu. Auch hier werden die nachstehendengeologischen Profile unsere Auseinandersetzungen wesentlich unter-stützen. Ich verdanke dieselben in erster Linie den Mittheilungender Herren Ernest Yan den Broeckh, A. Rutot und G. Vincent inBrüssel , welche zu deren Publication freundlichst die Erlaubnissertheilt haben.
Die örtlichen Verhältnisse machen es aber wünschenswerth, derklareren Uebersicht wegen hier mit den jüngeren Formationen zubeginnen.
Zu oberst liegen im Thale der Senne die Quartärbildungen(Alluvium und Diluvium), u. z. das Quarternaire supfirieure,ein sandig - kalkiger Thon, den man in Belgien l’Ergeron nennt.Er ist 12 bis 15 Meter mächtig, aber seine obersten Lagen sinddurch Wasser und die Atmosphärilien bis auf 2 Meter Tiefe leb-haft verändert, roth gefärbt, und heisst speciell diese Lage le Limonoder Terre a briques.
Das Quarternaire inferieure, dessen eine 23 Meter mächtige,obere Partie aus lignitreichem Thon mit trefflich erhaltenen Land-und Flussconchilien besteht, welche total von der heutigen Faunaverschieden sind, liegt in der Mitte der Thäler, war entschieden einAbsatz ruhigen Wassers und entspricht ungefähr unserem Löss.Die untere 10—12 Meter dicke Lage des Quart, inferieure bestehtaus Sanden und Trümmern der unterliegenden Tertiärbildungen —Beweis eines in lebhaft bewegtem stürmischem Wasser deponirtenMateriales. Am Grunde liegen gerollte Kiesel, Rollstücke des Ter-tiären, aber nicht selten kommen darin die Knochen vom Rhinoceros,Mammuth und Bos primigenius vor; es ist also entschiedenes Dilu-vium, was wir in diesem Materiale vor uns haben.
Unter dem Diluvium liegen in Brüssel und seiner Umgebungunmittelbar die Schichten der ältesten Tertiärzeit: des Eocän.Sie sind in merkwürdiger Weise alterirt und zwar hauptsächlichin Folge eines grossen Bruches, der mitten durch das Thal derSenne verläuft. Aus Anlass dieser Verwerfung sind die Ablagerungenauf dem rechten Ufer der Senne etwas verschieden von jenen deslinken Ufers. Es fehlen also im Becken von Brüssel , gleichwie in
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