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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
Entstehung
Seite
32
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Kloaken, welche den Schotter wie ein unterirdisches Netz durch-ziehen. Viele von solchen öffentlichen Brunnen existiren noch,werden aber nicht mehr benützt, namentlich derlei nicht, die beiden alten Kirchen sich befinden, um welche die alten, gegenwärtigwohl ausser Gebrauch gesetzten Friedhöfe liegen.

Es gibt in London noch viele Plätze, welche die Namenvon Quellen führen, wie Cleries-spring, Clerkenwell, Holyspring,Holywell, Spa-fields, Coldbaths-fields etc. Diese Springwasser undQuellen, welche die gedachten Namen lieferten, stammen alle vonder Grenze des Gravels zum Londonthon, wo sie in den vonletzterem durch die vorhergegangene Denudation gebildeten Thälernzum Vorschein kommen. (Siehe das zweite der beigegebenen Profile.)

Uebrigens wird die Wasserversorgung von London noch durchzahlreiche Leitungen aus den Nebenflüsschen der Themse , sowiedurch Filterwasser dieser letzteren selbst bewerkstelligt.

In dem grossen anglo-gallischen Becken, in welchem dieWeltstädte Paris und London erbaut sind, liegt auch die Haupt-stadt des kleinen, durch seine Industrie gross gewordenen Belgiens ,Brüssel , an den Ufern der Senne und an dem grossen Canal vonCharleroi und Willebroek , welcher zwischen der kleinen (Sennepetite) und grossen Senne (Senne riviere) fast durch die Mitte desFlussthales geführt ist.

Die Westküste von Belgien und Holland ist von vielen Buchtendurchschnitten, welche einst sämmtlich Flussmündungen waren. DieGegend ist mit Sand und eigentümlichen, schweren, plastischenThonen, Bolders genannt, bedeckt, die dem Diluvium angehörenund unserem braunen Löss oder Lehm entsprechen. Dasselbe umfasstfast zwei Drittel des Landes und endet mit jähem Absturz erst im51. Breitegrad nördlich von Brüssel . Sein Niveau ist constant 300 Fussüber Meereshöhe. Die Tertiärbildungen des Beckens, die sich bis500 Fuss hoch erheben, beginnen erst südlich von der Maas undwerden nur dort sichtbar, wo das Diluvium denudirt ist.

Das Ufer des Beckens im Osten, Südost und Süd wird abervon den uralten, nach Norden einfallenden Formationen des Silurund Devon gebildet und von der productiven Steinkohle, diesich aus Preussen unter den jüngeren Formationen nach Belgien und über Mons und Valencienne nach Frankreich erstreckt. Sie fälltnach Süd und ist vielfach verworfen, gebrochen und gestört undliegt oft in solchen Tiefen, dass die Bergleute genöthigt sind, derhohen Bodentemperatur wegen unbekleidet zu arbeiten.