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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
Entstehung
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Das ältere oder nordische Diluvium ist unter allgemeinerWasserbedeckung, welche von Skandinavien bis hoch an dieGehänge des mitteldeutschen Gebirgslandes reichte, unter zum Theilnachgewiesener Wirkung von Eistransport gebildet und bestehttheils aus groben Blöcken, theils aus feineren, aus dem Nordenstammenden Sanden, Grand, Lehm und Mergel.

Es erreicht eine Meereshöhe von 452 M. oder 1487 engl. Fussund geht nach Zaddach stellenweise bis 39'2 M. unter den Meeres-spiegel (Colberg), indem die älteren Schichten dort ausgerissen undmit nordischem Diluvium die Lücke ausgefüllt ist.

Die ganze mittlere Mächtigkeit beträgt im Minimum 225 Fussoder 70 - 6 Meter. t

Das jüngere Diluvium verdankt seine Entstehung theilsfliessendem Wasser, theils dem atmosphärischen Nieder-schlage und ist grossentheils im engen Anschluss an das Erosions-Gebiet des heutigen Wassernetzes, besonders an dessen Oberlaufabgelagert, beginnt daher erst mit der Annäherung an das Gebirgs-land des Harzes, bei Halle, Dresden u. s. w. eine Rolle zu spielen.

Das Alluvium ist ein durch Absatz aus Wasser gebildetesDepot anorganischer Materialien. Man rechnet aber auch Bildungenorganischer Natur dazu, wie die Wiesen erde, und endlich dieFlugbildungen. Auch die Alluvion zerfällt in eine ältere undjüngere, und liegt die erstere zumeist in alten, den heutigen garnicht oder nicht mehr entsprechenden Wasserläufen, in altenThälern, Strom- und Flussbetten und alten Seebecken.

Der Flugsand, der Dünensand hat keine bestimmte Bildungs-zeit, er liegt bald auf alter, bald auf junger Alluvion, in lang-gestreckten Hügeln und Ketten, die oft harmoniren mit benachbartenWasserläufen, Luchen oder Fennen.

Die Torfbildungen, Wiesen erde und Modergründe oder dieBaccillarienerde sind jungalluviale Bildungen, die in Vertiefungendes alten Alluviallandes lagern.

Berlin, *) mit einer mittleren Seehöhe von 48 Meter (der Null-

*) Der Hauptinhalt dieses Abschnittes der vorliegenden Studie ist in derWesenheit dem ausgezeichneten Buche von Dr. K. A. Lossen: Der Boden derStadt Berlin etc., Berlin 1879, welchem eine geolog. Karte von Berlin und 4 Profil-tafeln beigegeben sind, entnommen. Es bildet dieser Band das XIII. Heft dergrossen, vom Magistrat der Stadt Berlin veranlassten Berichte unter dem Titel:Beinigung und Entwässerung Berlins . Ferner ist hervorzuheben: Geol. Uebersichts-karte der Umgegend von Berlin im Massstabe von 1:100000, zusammengestellt nachden im Massstabe von 1: 25000 ausgeführten Aufnahmen der Flachlands-Abtheilungder k. preuss. Geolog. Landes-Aufnahme. Aufgenommen von G. Berendt , Berlin 1881.