Buch 
Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
Entstehung
Seite
42
JPEG-Download
 

42

An das grosse anglo-gallische Becken schliesst sich organisch dieBetrachtung des norddeutschen Tief- und Flachlandes an,dem die ganze Provinz Brandenburg mit dem Weichbilde derStadt Berlin angehört.

Es ist selbst nur ein Theil der von Holland aus bis tief indas baltisch-sarmatische Russland hinein sich erstreckenden weitenNiederung, welche den Norden Europas von der Mitte des Continentsscheidet.

Mit kaum merklicher Neigung, nur von niedrigen, bald breiteren,bald schmäleren Höhenrücken sanft gewellt, mehr noch durch zahl-reiche Wasserrinnen und Seebecken gefurcht, zieht sich das nord-deutsche Flachland von den Nordgrenzen des mitteldeutschen Berg-landes nach der Nordsee und Ostsee hinab. Mächtige Massen vonSand, Grand (Grus), Lehm, Mergel, Thon (Tegel ) von verhältniss-mässig, gegenüber dem Felsboden des deutschen Berglandes lockererBeschaffenheit, setzen mit Wiesen, Moorerde und anderen Pflanzen-moder haltigen Gebilden den Boden dieser ausgedehnten Niederungfast ausschliesslich zusammen. Sie gehören den beiden jüngstenSchichtengruppen an, welche die Geologie unterschieden hat: demAlluvium oder den Bildungen, die sich eng an die Vertheilungunseres gegenwärtigen Fluss- und Wassernetzes anschliessen undz. Th. noch fortwährend innerhalb desselben abgesetzt werden, unddem zeitlich unmittelbar vorhergehenden Diluvium.

Ein Blick auf eine geologische Karte von Deutschland zeigt unsdaher im Gegensatz zu dem Farbenreichthum der westphälisch-hannöversehen Bergzüge, die, ich möchte sagen fast imponirendeEinförmigkeit der, durch wenig bunte Farbenflecke unterbrochenennorddeutschen Alluvial- und Diluvialgebilde, die mit einer Tintegewöhnlich aufgetragen sind.

Der Boden von Berlin gehört derjenigen natürlichen Theil-gruppe des norddeutschen Tieflandes an, welcher hauptsächlich dieWassergebiete der Havel und Spree umfasst und vom alten Ufer-rand des Lausitzer Gebirges im Süden bis zu der Ostseeküste zwischender Lübischen Bucht und dem Stettiner Haff im Norden reicht,Oestlich bilden der Unterlauf der Oder und in seiner Fortsetzungdie Thäler des Queis und des Bober, südwestlich und westlichdie Niederung der schwarzen Elster und das Elbthal bis Lauen­ burg abwärts, von da die Stecknitz und Trave bis zur Ostsee dieGrenze.

Treten wir nun den Bildungen des norddeutschen Tieflandes etwasnäher. Man unterscheidet da vor allem zwei Systeme von Diluvial-Bildüngen: Das ältere und das jüngere Diluvium.

4V