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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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Sämmtliche Diluvialgebilde sind im natürlichen Zustande,abgesehen von beigemengten Braunkohlenstückchen, frei von orga-nischen Substanzen. Es ist bewundernswerth, mit welcher Ausdauerund Geduld die norddeutschen Geologen den Boden ihrer Heimatstudirt haben. Hausmann, Kloeden, Roemer, Kunth u. s. w.und in neuester Zeit Dr. Lossen haben, man kann sagen, eineförmliche Special-Wissenschaft aus diesem anscheinend so sterilenMateriale geschaffen und in der feinsten Unterscheidung allerMinutiositäten das Erstaunlichste geleistet. So unterscheiden sie imälteren Diluvium eine Lehm- und Thonfacies und eine Sandfacies.In ersterer den fetten Glindow er Diluvial thon, den unteren mergligenGeschiebelehm und den Glimmer- und Mergelsand. In der Sand-facies wieder den Diluvialgrand und den Diluvial-Hauptsand. Aberauch unter diesen Species unterscheiden sie noch bei jeder 2 bis8 Subspecies, wie z. B. mergligen und mergliggrandigen Diluvial-Hauptsand mit Braunkohlenstückchen oder ohne Braunkohlen-stückchen u. s. f.; so dass sie im unteren Diluvium allein 22 ver-schiedene Lagen ausscheiden.

Diese Schichten des unteren Diluviums enthalten auch einenicht ganz unansehnliche Molluskenfauna in versteinerten Resten,theils marinen Ursprungs, wie die der sogenannten Nordseeformation,tlieils Süsswasser-Mollusken, unter denen die Paludina diluvianaKunth als das Hauptfossil anzusehen ist.

Aber auch Säugethierreste werden in ansehnlicher Menge daringefunden. Man kennt daraus Mammuth, Rhinoceros, Pferd, Moschus-ochs, Ur, Wisent (Bos primig. und Bison priscus), Hirsch, Riesen-hirsch u. s. f.

Es ist merkwürdig, dass unter der Conchilienfauna der Marknicht ein einziges ist, welches auf ein wesentlich kälteres Klimawährend des Diluviums hinweisen würde, während die Säugethiereentschieden auf viel geringere Temperaturverhältnisse jener Zeitschliessen lassen. Nach allem, meint Lossen, dürfte ein dem heutigensibirischen Klima ähnliche Temperatur geherrscht haben.

Es folgt nun das obere Diluvium als oberer Geschiebe-lehm und oberer Sand und Grand, dann das Abrutschterrain,aus abgewaschenem Diluvial-Materiale bestehend, der Uebergang zurAlluvion.

Es ist merkwürdig, dass dieses abgewaschene Material sehrleicht von den Berliner Geologen vom ursprünglichen Diluvialbodenunterschieden wird, und zwar einfach durch Behandlung mit Salz-säure. Es ist nämlich aller Kalk, Kalksand und jede Kreide-substanz in dem Abrutschmaterial weggewaschen, und damit das