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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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Bohrloch, welches 3'4 m über dem Spree Pegel (Nullpunkt) einsetzteund bis 69'674 m Tiefe getrieben wurde. Es entspricht das ungefähr216 Wiener Fuss. Die Schichtenfolge ist eine überaus reiche undgibt der vorhergegangene Durchschnitt (ebenfalls aus Lossens Bodenvon Berlin ) ein ganz deutliches Bild davon. Die Bohrung durchfährtalle hauptsächlichen Schichtentypen der norddeutschen Alluvionund der beiden Diluvien, indem man bisher auch die tiefsten Sandezum Diluvium gezählt hat.

Im Anfang des Jahres 1879 aber ist es bei einer Bohrung inBerlin gelungen zweifellos typisch Kalkgeschiebe und feldspathfreieGlimmerkohlen- und Kiessande der märkischen Braunkohlen-formation im Liegenden des Berliner Diluviums zu erreichen, unddürfte es nach Allem nicht zu zweifeln sein, dass auch die tiefstenSande im Ottoschen Brunnen der Braunkohle bereits angehören. *)

Es ist somit die Braunkohlenformation, welche dem deutschen Oligocän, d. h. der unmittelbar auf die Eocän-Formation folgendenTertiärbildung angehört, die in Berlin den Untergrund des Di-luviums bildet.

Die mittlere Mächtigkeit der Braunkohlenformation dürfte min-destens 50 m betragen und in Berlin unter ihr das mesozoische Gebirge,unter demselben aber das Paläozoische, Steinkohle und Silur aufGranit lagernd, folgen.

Berlin ist seit 1864 und 1871 so rapid gewachsen, dass dieFrage der Wasserversorgung die competenten Kreise lebhaftestbeschäftigt.

Die Versorgung der Stadt geschieht gegenwärtig durch eineenglische Gesellschaft, welche in einem eigenen Werke das Spree-wasser in Sandfiltern reinigt und ein ziemlich reines und auchreiches Wasser liefert, das aber nicht ausreichend ist, namentlichfür die auf dem Barnim liegende Hochstadt.

*) In der erst kürzlich erschienenen Erläuterung zur geogn. Beschreibung derGegend von Berlin v. G. Berendt und W. Dames (Berlin , bei A. W. Schade, 1880)werden die Besultate einiger in letzter Zeit stattgefundenen Wasserbohrungen an-geführt, welche diese Thatsache entschieden bestätigen. Es sind:

Der Bohrbrunnen der Kraft und Kunst'schen Fabrik, welcher die Sande und Letten derBraunkohlenform, mit 72*7 erreichte und bei 96*7 m - nicht durchsunken hat. Das Bohrloch der VillaHansemann, welcher dieselben bei 58*5 m - Tiefe anfuhr, ohne sie bei 122*5 m * ganz zu durchsetzen.Das Wigankow'sche Bohrloch hart an der Panke , dessen Wasser 1*5 über dem Wasserspiegel derletzteren ausfliesst (der erste artesische Brunnen Berlins ), erreicht das Tertiär bei 85 m * und bei135 m - Tiefe anscheinend den mitteloligocänen Septarienthon, der bei 161 m - noch nicht durchfahrenist. Im Bohrloch ira Admiralsgartenbade wurden die Tertiärsande und Letten mit zwei Flötzen schonbei 46 m - erreicht und hielten bis 78 m - an. Ein in der Citadelle Spandau gestossenes Bohrloch fuhr-das Tertiär erst bei 137*7 m - Tiefe an, und erreichte bei 154 m - die Septarienthone?