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Von Haus aus waren die Wasserverhältnisse Berlins sehrgünstige. Die Spree fliesst bis Berlin fast ganz in diluvialem undalluvialem Sand, etwas in Moor- und Wiesenland; Kalkablagerungenwerden gar nicht durchsetzt und das Wasser ist daher sehr weich.Der Sandfilter härtet es wohl ein wenig, aber nimmt ihm dafüralle organischen Bestandtheile.
Aber auch Brunnen greifen in die Speisung Berlins mitWasser ein. In der Niederstadt gehen sie meist nur in der Alluvionin geringe Tiefen, in dem Diluvialterrain der Hochstadt reichen sieaber viel tiefer.
Auch die Brunnenfrage stand von Haus aus sehr günstig. Diealte Stadt steht nämlich auf alluvialem Boden. Der altalluvialeThalsand ist ganz frei von den, selbst geringen Kalkbeimengungendes nordischen Diluviums und frei von den organischen Substanzendes Jungalluviums, namentlich der Baccillarienerde.
Im altalluvialen Sand, der nach unten immer gröber wird, stehendie Brunnen des alten Berlins , aber leider versinkt in diesem Sandauch aller vom Wasser mitgeführte Schmutz und Unrath.
Undichte Senkgruben und undichte Kanäle haben bei derzunehmenden Bevölkerung diesen Untergrund total inficirt undverdorben. Das unebene Terrain der noch nicht bebauten Stadt-tlieile hat man seit jeher mit dem Schmutz und dem Schutt derStadt ausgeebnet und so für die neuen Stadttheile einen gar sonder-baren Untergrund geschafft. So ist Berlin durch die Menschenungesund gemacht worden, denn die neuen Stadttheile sind nach-gewiesener Massen die ungesundesten, selbst die auf dem hoch-gelegenen Diluvium gelegenen Theile der Hochstadt.
Virchow hat dieses in seinem an das Stadtverordneten-Collegium erlassenen Generalbericht über die Reinigung und Ent-wässerung Berlins ausdrücklich nachgewiesen.
Die chemischen Analysen des Spreewassers und des in denWasserkanälen enthaltenen Wassers, sowie jenes der meistenöffentlichen Brunnen weisen auf hohe Verunreinigung hin.
Man geht daher mit dem Gedanken um, durch eine mitRieselfeldern in Combination stehende Kanalisation die Fäces undSpüljauchen in flüssigem Zustande aus der Stadt zu schaffen undnutzbar zu machen. Für einige Radialpunkte der Stadt ist diesauch bereits durchgeführt worden.
Sehr nachtheilig für die Anlage eines Systems guter Brunnenfür Berlin ist der geologische Bau des Untergrundes. Es fehlennämlich regelmässig undurchlässige Schichten sowohl in der jungenals alten Alluvion, wenngleich örtlich sich verdichtete Schlamm-
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