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massen befinden und Torf und Baccillarienerde Wasser wie Schwämmeaufsaugen. Das Diluvium hat zwar Lehm und Thon, aber ganzunregelmässig vertheilt, dasselbe führt 2 Wasserzonen, die so-genannte Grundwasserzone und die Untergrundwasserzone. DerDiluvial-Hauptsand ist als Hauptwasserleiter zu betrachten, aber inden verschiedenen Stadttheilen liegen die Brunnen in sehr ver-schiedenen Tiefen, je nach der Mächtigkeit der Schichten. Im Südengehen die Brunnen in grosser Tiefe in das Untergrundwasser,welches gut und hinreichend ist; im Norden liegen sie in derGrundwasserzone, geben aber wenig Wasser und man muss dannsehr tief gehen, um solches zu erreichen, ja bis zum Braunkohlen-letten der Mark. In der Niederstadt greifen auch viele Brunnenschon bis in die tiefsten Schichten des Diluviums, in den unterstenDiluvialsand und Grand, und geben viel und gutes Wasser. Esist daher projectirt, statt des offenen Spreewassers oder des Wassersder benachbarten Seen dieses im Diluvialgrand in Menge circulirendeWasser durch Brunnen mit Siebwandungen in grösserem Massstabezu gewinnen und nutzbar zu machen. Aus dem soeben Gesagtenergibt sich, welch ungeheuren Einfluss die Beschaffenheit desBodens auf die Kanalanlagen, die Wasserversorgung und dadurchmittelbar auf die Einwohner einer Stadt ausübt. Wichtig erscheintdaher, was Virchow in seinem citirten Bericht bezüglich desGrundwassers und seine Beziehungen zur allgemeinen Sterb-lichkeit erwähnt. Er sagt: „Es ist vor allem zu bemerken, dassdas Grundwasser seine niedrigste Temperatur erlangt, wenn esseinen höchsten Stand erreicht, und umgekehrt fällt seine höchsteTemperatur nahezu mit seinem stärksten Sinken zusammen,— eineüberaus wichtige Thatsache, welche auf die Beziehungen desselbenauf Gesundheit und Sterben von grösster Bedeutung ist.
Virchow gelangt schliesslich zu folgenden Sätzen:
1. Die Gesammtsterblichkeit Berlins hat einen Ausnahms-charakter, daran trägt aber die enorme Sterblichkeit derKinder unter einem Jahre die einzige Schuld, sonst wäre Berlin dem allgem. Gesetz der europäischen Sterblichkeit unterworfen,welches 28 per milfe und Jahr als Normalmaximum beträgt;
2. die Sterblichkeit der Erwachsenen ist hauptsächlich vonder Temperatur und nur in geringerem Grade vom Standedes Grund- und Flusswassers abhängig;
3. die Sterblichkeit der Kinder unter Einem Jahre ist z. Th.abhängig von der Temperatur, stimmt dagegen in ihrer er-schrecklichen Sommerzunahme mit der Zeit des fallendenGrund- und Flusswassers zusammen.