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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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producte, so ergibt sieb, dass man bislang sich weitaus nicht diemindeste Vorstellung von dieser kolossalen Infection des Bodensmachte, der die traurige Beschaffenheit der sanitären Zustände vonSt. Petersburg bedingt, welche hauptsächlich auf die irrationelleConstruction der Strassen und Stadtkanäle zurückzuführen ist.

Ein ganz neues, bisher nicht berührtes Gebiet geologischerForschung betreten wir mit der Hauptstadt Italiens , mit Rom .

An der grossen Abdachung Central-Italiens zum tyrrhenischenMeere, zwischen dem 41. und 42. Breitengrade und im 10. Längen-grade des Meridians von Paris , liegt jene ausgedehnte Niederung,welche die Campagna von Rom genannt wird, in deren Mitte dieewige Stadt liegt. Die wellige Beschaffenheit des Bodens und seineAbdachung von dem Hochgebirge zum Meere lassen sogleich er-kennen, dass diese Niederung von einem auf der Westseite derHalbinsel abfallenden Theile der Sub-Apenninen gebildet wird. Auchder Charakter des Beckens wird durch die Betrachtung der Wasser-läufe und Giessbäche sofort klar, welche alle gegen das Centrumdes weiten Beckens convergiren, in dessen Mitte sich die von demTiber durchflossene Hauptstadt Italiens erhebt. In den unterenTheil dieses Flusses ergiessen sich auch alle die zahlreichen Wasserläufeder umgebenden Höhen, und führt daher das ganze Becken mitRecht den Namen: Becken von Rom .

Die Erhebungen, welche dieses Becken einnehmen, bestehenaus einem System von Bergen und Hügeln von verschiedener Formund Natur, und man kann drei grosse Gruppen derselben unterscheiden.Die eine Gruppe erhebt sich gegenüber den Gestaden des tyrrhe-nischen Meeres, die zwei andern nehmen die Seiten zwischen diesemund dem Meere ein. Das höchste Gebirge im Osten wird von einemvorgeschobenen Theil der Central-Apenninen gebildet, welchen derAnio, der in seinem Unterlauf Teverone heisst, in zwei Hälftenscheidet. Die rechte Bergpartie führt den Namen der MontiLucani oder des M. Gennaro, von dem höchsten Elevationspunkte,der 3907.5 Meter über Meereshöhe sich erhebt, und der aus den ge-hobenen vielfach gestörten Schichten des Jura besteht; am westlichenEnde steht ein isolirter Berg, der Soratte oder M. di S. Oreste,gleichsam als Wächter am Eintritt des Tevere (Tiber ) in das Beckenvon Rom .

Die linke Bergpartie sind die Höhen von Prenestine (vomalten Preneste), ihr höchster Punkt die Vulturella (Mentorella) hat3752.4 Meter Meereshöhe. Dieses Gebirge gehört vorwiegend der