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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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aller Art sehr zugänglichen Boden so viel als möglich davon zuentlasten suchen.

Petersburg gehört keineswegs zu den gesunden Städten, imGegentheile nehmen die Sterblichkeitsziffern, welche die Journaleüber den Abgang früherer Wochen in den grösseren Städten derWelt enthalten, regelmässig für die genannte Stadt die höchsteStelle ein. So ist für das bisher citirte Jahr 1878 die Sterblichkeits-ziffer für Petersburg mit 471 angegeben.

Fast durchaus von Wasser umgeben, welches stellenweise auchbrakischen Charakter besitzt, ist der permeable durch wasserdichteGrundlage abgeschlossene unmittelbare Boden von Petersburg nichtsals ein bald mehr oder minder wasserreicher Sumpf, der mit schäd-lichen Stoffen aller Art inficirt ist.

Man kennt diese Verhältnisse in St. Petersburg sehr gut, undtrat daher im November 1873 eine kleine Zahl von höchstachtbarenMännern, wie General Helmerson, Architekt Professor Bernhard,Dr. Hirsch, Professor Lenz, Chemiker C. Schmidt und Di. Erichsenzusammen, um zu berathen, wie für die Kanalisation und Reinigungdes Bodens der Hauptstadt endlich vorgesorgt werden könne. Dervon diesen Herren erstattete Bericht*) geht von demselben Gesichts-punkte aus, welcher uns bei Beurtheilung der Frage der Salubritäteiner Stadt immer vorgeschwebt hat. Er constatirt, dass die Be-schaffenheit der Luft, die wir athmen, des Wassers, das wir trinken,dass die physikalischen Eigenschaften des Bodens, auf dem wir wohnenund des in demselben sich bewegenden, in immerwährender Schwankungbegriffenen Grundwassers die massgebenden Factoren für die, dieEntwicklung und den Gang der Sterblichkeitsziffer der Bevölkerungin erster Linie bestimmenden Erkrankungen seien.

Dieses Grundwasser ist eben in St. Petersburg in Folge dermangelhaften Kanalisirung und Reinigung der Stadt gänzlich inficirtvon schädlichen Stoffen.

Für eine Menschenanzahl von 400.000 erwachsenen Männernberechnet der Bericht das jährliche Quantum an Auswurfsstoffenauf 6,630.200 Ctr., von denen 60.840 Ctr. Stickstoff und 91.750 Ctr.diverse Salze sind.

Von diesen gelangt unter den bedenklichen Verhältnissen min-destens der vierte Theil ins Grundwasser, also jährlich15.210 Ctr. Stickstoff und 22.937 Ctr. Salze. Rechnet man dazu allelöslichen Aschenbestandtheile und die übrigen städtischen Jauche-

*) Zur Frage über die Kanalisation und Reinigung von St. Petersburg vonDr. E. Erichsen, St. Petersburg 1874.