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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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Unglücklichen bewohnt, welche als Wächter der WirtschaftenZurückbleiben. So Jahr aus, Jahr ein, seit mehr als 1000 Jahren.

Die nahezu allgemeine Depression der Campagna und diehäufigen Westwinde, welche über das Sumpfland streichend Rom mit giftigen Ausdünstungen erfüllen, sind sohin die 1 lauptursachender Malaria, der alljährlich so viele Bewohner zum Opfer fallenund die Gultur der ausgedehnten Ebenen zur Unmöglichkeit machen.Dazu kommt noch der sehr gefährliche Wechsel der Temperatursowohl zur Sommer- als Winterszeit. In wenigen Tagen steigt inletzterer das Thermometer von -j- 23 Grad auf 1213, und imSommer fällt es von 28 oder 30 Grad auf 16 und 14 in wenigenStunden. Daran ist aber vorzugsweise die topographische Lage Roms Schuld, welche am tiefsten Punkte des Tiberthaies liegend, einge-schlossen wird von einzelnen Höhen des Sub-Apennins, demJaniculus, dem M. Vaticano, M. Mario, M. Pincio und Viminale.Während des Tages erwärmt sich die zwischen den Hügeln liegendeStadt sehr bedeutend; die Ausstrahlung zur Nachtzeit ist destoheftiger und erleichtert die Verdunstung der Wasser des Tiber undanderer stehender Tümpel, so dass mit dem Fallen der Temperaturauch die Luft namhaft feuchter und in Folge dessen die Niederungungesund wird, in der die Stadt liegt. Alle Versuche, diesenUebelständen zu steuern, blieben äusserer Verhältnisse wegenbisher erfolglos. Gegenwärtig beschäftigt man sich wieder mit demProject einer Entwässerung des Bodens durch Regelung des Tiber -Gerinnes.

Von anderer Seite wird zur Verbesserung der hygienischenVerhältnisse die Aufforstung der Höhen und die Bepflanzung derEbene selbst lebhaftest befürwortet. Ob der einen oder der anderenMassregel der Vorzug einzuräumen oder eine Combination beiderdas richtigste wäre, darüber wäre eine Verständigung leicht zuermöglichen. Die Hauptschwierigkeit liegt jedenfalls neben denenormen Kosten in der praktischen Durchführung der Sache selbst.

Dies ist in grossen Zügen der Boden der Stadt, von derunsere heutige Civilisation ausgegangen, und wer diesen Bodenkennt, wird auch, wie der greise Ponzi sagt, das Klima kennen,das ihm eigenthümlich ist. Es ist ein sehr variables, wie schon dasRelief zeigt, ein stufenweiser Wechsel zwischen der leichten, gutenund gesunden Luft auf den Hügeln, die das Becken umgeben, undder dicken ungesunden, die sich in der Niederung angesammelt.

Die Bewohner der Höhen gemessen reine Luft, sind robust,frohe Leute und langlebig, während jene, die gezwungen sindihre Tage in den niederen Gassen der Stadt auszugeben, wie der

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