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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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Dieser Bau und die Anlage der Aquäducte waren nicht alsoallein für ökonomische Zwecke, sondern vorzüglich für sanitäreunternommen. Durch 442 Jahre begnügten sich die alten Römermit dem Wasser des Tiber , dann aber bauten sie nach und nachjene immensen Werke, die aus weiten Fernen (bis aus 16 römischenMeilen) in mannshohen Kanälen ganze Bäche von Wasser auf diehöchsten Punkte der Stadt leiteten. Zu Trajans Zeit bestandenschon 9 Aquäducte, später kamen einige noch hinzu.

Weder die Natur noch die Menschen waren im Stande siealle zu zerstören, und so bestehen von ihnen heute noch drei, diealte Aqua Virgo (Trevi ), die Aqua Marcia (Aqua felice) unddie Aqua Trojana (Aqua Paola), welche die Stadt reichlich allerOrten mit gesundem Quellwasser versorgen. Die Restaurirung dieserWerke sind das Verdienst Pius IV. , Sixtus V. und Paul V. Letzterer,der die Aqua Trojana auf den Janiculum leiten liess, um eineRiesenfontaine am Petersplatz zu speisen, hiess deshalb scherz-weise Fontifex maximus.

Die Friedhofsfrage, welche noch gegenwärtig die Gemütherbeschäftigt, blieb in alter Zeit ganz ausser Discussion. Eines aberzeigte sich regelmässig im Verlauf der Jahrhunderte, ln ruhigenZeitläuften, wenn der Wohlstand der Stadt zunimmt, wenn die Zahlder Bewohner sich vermehrt, welche bei der Summe kleiner häus-licher Arbeiten den Sinn für Reinlichkeit und Behaglichkeit entwickeln,wird auch der Kampf der Gesellschaft gegen die klimatischen Ein-flüsse in Folge der reicheren Mittel nicht ohne Erfolg geführt. ZurZeit der Kämpfe, der Verwüstungen, des Verfalles der Stadt, desSinkens der Bevölkerungsziffer verzeichnen wir den höchsten Gradsanitärer Calamitat in Rom .

Was die Geschichte von Rom darlegt, zeigt sich noch auf-fallender an der Campagna. Derselbe Ager romanus nördlich undsüdlich des Tiber , der vor Gründung Roms eines hohen Gradesstädtischer Cultur sich erfreute und mit üppigen Baumbeständenbewachsen war, ist heute ein verödetes Malaria hauchendes Feld,der Schauplatz primitivster wirthschaftlicher Zustände, ein frucht-bares Land, aber zum grössten Thcil Weidetrift, die ganze Campagnahat keine sesshafte Bevölkerung. Auf dem wenigen Ackerland wirdSaat und Ernte in Eile besorgt durch hochentlohnte Arbeiter, dieim Juni vor der Gluth des Hochsommers flüchten. Aber vielekehren heim mit fahl verfärbten Gesichtern vom Fieber durch-schauert, dem Mancher schon vorher zum Opfer fiel. Bald wandernauch die zahlreichen Ileerden weg, und dann ist vier Monate langdie ganze Campagna vollends verödet und verlassen, nur von einigen