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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
Entstehung
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Der russische Hof Mietet während des achtzehnten Jahr-hundert? ein Bild der entsetzlichsten Verworfenheit und Ent-artung, wie es in der Geschichte aller Völker und Länder ge-radezu beispiellos dasteht. Meuchelmord, Ehebruch, Hochverrath,Meineid, Untreue, Unzucht kurz, welches gemeine Verbrechenund welches widerliche Laster, das bei dem schlichtenUnter-thanen" mit Rad und Galgen, mit Folter und Zuchthaus be-straft wird, hat nicht an jener klassischen Stätte der moralischenVerkommenheit seine ebensoklassischen" Vertreter gefunden?

Wo wir auch nachschlagen mögen in den Annalen jenerEpoche, überall starrt uns der sittliche Schmutz klatterhoch ent-gegen, daß wir empört und angeekelt von so viel Niedertrachtunwillkürlich den Blick abwenden. Es ist, als ob eine Rottevon Bösewichtern, der Auswurf der ganzen Menscheit, sich zu-sammengethan habe, um für alle Zeiten ein schauerliches Denk-mal menschlicher Bosheit und Gemeinheit hinzustellen.

Peter I., dergroße" Romanow, hatte sein noch fast ganzin der rohen Natürlichkeit des Barbarenthums steckendes Volknach europäischem Muster zureformiren" beschlossen. Mitbrutaler Rücksichtslosigkeit griff er in das Volksleben ein, zer-störte alle natürlichen, entwickelungsfähigen Triebe im Schooßedesselben und schuf, indem er jeden Zusammenhang zwischenRegierenden und Regierten zerriß, jene raffinirte Ausbeutungs-maschinerie des despotischen Staates, welche alle Kraft desVolkes bis aufs Mark aussog und es in jenen hilflosen Zu-stand versetzte , in dem wir es auch heute noch sich verzehrenrnd zu Tode hungern sehen.

Der Wille eines Einzigen^ desAlleinherrschers",'sollte das absolute Gesetz sein für Millionen und Aber Millionen,die mit einem Federstrich zu willenlosen Sklaven herabgewürdigt