die jungen Gardeoffiziere im Wettbewerb mit Lakaien undsonstigen „schönen Männern", sich schniegelten und reckten, umdie Aufmerksamkeit der liebesbedürftigen Landesmutter auf ihrewerthe Persönlichkeit zu lenken. Allein bis auf den letzten inder langen Reihe, den jungen Platon Subow, der gegen Po-temkins Willen eingeschoben worden war, wußte der große„Taurier" regelmäßig seine Kandidaten durchzubringen.
Daß Katharinchen nebenher ganz gern ihre losen Seiten»spränge machte, wird bei dem „souveränen" Charakter dieserDame Niemandem Wurder nehmen. Zu diesen „Eintagsfliegen"gehörten die allerverschiedensten Persönlichkeiten, wie gerade diesinnlichen Launen der alternden Phryne sich entschieden. Heutließ sie sich mit dem häßlichen kleinen Bogenschrciber Strachow,morgen mit dem französischen Gesandten Grafen Sögur ein —keiner stand ihr zu niedrig und keiner zu hoch, daß sie nicht ihregeilen Künste an ihm versucht hätte.
Bei den länger dauernden Verbindungen hörte sie indessengern auf Potemkins Stimme, der stets eine große Auswahl vonjungen Leuten „auf Lager hatte", welche bereit waren, einTänzchen mit „Ihrer Majestät" zu wagen. Die Prozedur beieinem etwaigen Wechsel war, wie Esneaux und Chenne-Chot be-richten, in folgender Weise geregelt: „Wenn die Kaiserin je-manden nach den äußeren Eigenschaften für würdig erklärt hatte,den Posten eines Günstlings zu erfüllen, unterrichtete sie sich zu-nächst, ohne sich sogleich endgültig zu entscheiden, über seineKenntnisse und seinen Geist. Dann — sollte man es für möglichhalten? — erhielt der Hofarzt den Befehl, ihn zu untersuchen,und eine Hofdame wurde damit beauftragt, ihn einem anderenExamen zu unterziehen, das zur Genüge durch den Titel einer„Probirdame", welchen die Betreffende führte, gekennzeichnet ist.Wenn alle Auskünfte über den Kandidaten günstig lauteten,durfte er die Kaiserin vom nächsten Abend an zu ihrer „kleinenGesellschaft" begleiten.
Der erste von Potemkin angebrachte Kandidat warSo ritsch, nach Massons Angabe ein aus dem Bagno zu Kon-stantinopel entsprungener serbischer Sträfling. Potemkin, an densich der Flüchtling um Unterstützung gewandt hatte, ernannte ihnzu seinem Adjutanten, steckte ihn in eine Husarenuniform undstellte ihn Katharina vor. Der Serbe gefiel, wurde zum Flügel-