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dieser keusche Adonis im Punkte der Liebe eine sehr schlimmVergangenheit hatte, und daß er nicht nur, nachdem er fort-geschickt worden war, wochenlang sich einer bestimmten Kur unter-ziehen mußte, sondern auch Katharina zu demselben Leiden vcr-holfen hatte, so daß sie „wegen Kränklichkeit" nahezu ein halbesJahr ohne einen Liebling bleiben mußte und bis an ihr Lebens-ende unter den Folgen der Infektion zu leiden hatte.
Außer dem oben erwähnten Palais hatte Korssakow währendseiner 15 monatlichen Dienstzeit erhalten: etwa eine halbe Millionbaar, 4000 Bauern und für 150,000 Rubel Brillanten. Erlebte noch längerere Zeit in Moskau als ein gefurchtster Wüstling.
Lanskoj Als Katharinas Gesundheit sich einigermaßengebessert zu haben schien, tauchte der Chevalier-GardistAlexander Lanskoj, ein junger Mensch von etwa 22 Jahren,in den Günstlingsgemächern der Dispotin auf. Die bereits63 jährige Dulcinea entwickelte eine rührende Zärtlichkeit fürdiesen jugendlichen Geliebten, der sich ihr seinerseits vollkommenwidmete. Er war still, verschlossen, berechnet und wartete, ohnesich in irgend welche Intriguen einzulassen, seine Zeit ab. SelbstPotenkim zitterte vor diesem äußerlich sanften, schweigsamenMenschen, der durch seine zärtliche Anhänglichkeit die Kaiserinvollkommen beherrschte. Aber der vielversprechende Jünglingsollte ein jähes Ende finden. Von der ersten Stunde an war erfast ununterbrochen krank und beständig gezwungen, allerhanderhitzende Arzeneien zu sich zu nehmen. Nachdem er vier Jahrean der Seite Katharinas gelebt hatte, starb er — am „Brandim Halse."
Katharina war auf's Furchtbarste ergriffen von Lanskoj'STode, sie wurde selbst krank, und man mußte ihr zur Ader lassen.„Sie verhüllte dabei ihr Gesicht mit einem dichten Schleier, umihren Zustand zu verbergen, der zu irgend einer Auslegung hätteAnlaß geben können" (Helbig). Lange trauerte sie um den schönenJüngling, mit dem sie ein pathologisches Geheimniß verbundenzu haben scheint. Lanskoj ward im Park von Zarskoje - Selobegraben, ungesittete Bösewichter nahmen jedoch, wie Helbig er-zählt, den Leichnam aus dem Sarge, verstümmelten ihn undsuchten durch schändliche Schmähschriften, die aber doch einenPrrfasser von Verstand verriethen, das Andenken d«S Verstorbenen