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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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In kurzer Zeit war der 24 jährige Lieutenant zum General-major avancirt. Er wußte sich bei der nun bereits sechzigjährigen Herrscherin des Knutenstaates bald einzuschmeicheln undmachte an ihrer Seite auch die berühmte Reise zur BesichtigungderPotemkinschen Dörfer" mit. Auf dieser Reise bekam er,wie Helbig sich ausdrückt,die gewöhnliche KrankheitHalsweh". Man mußte seinetwegen einen längeren Aufenthaltmachen, der täglich allein wegen der überall bestellten Pferdenicht weniger als viertausend Dukaten Unkosten machte.

Katharina hielt große Stücke auf Mamonow, der sogarPotemkin gefährlich zu werden begann. Schon war die Rededavon, den jungen Menschen zum Vicekanzler zu machen, alsdie Zarin von gewissen Liebschaften ihres Günstlings mit ver-schiedenen Hofdamen benachrichtigt wurde und ihn aus purerEifersucht zwang, sich sofort mit einer derselben, ganz gegenseinen Willen, zu verloben. Er begab sich mit seiner jungenGattin nach Moskau, dem Aufenthaltsorte der meisten in Un-gnade gefallenen Höflinge.

Dieser körperlich häßlichste aller Günstlinge Katharinas,der ein Ausbund von Anmaßung und Eigennutz war, lieferteinen unwiderleglichen Beweis dafür, daß die Atmosphäre einesHofes, wie derjenige Katharinas es war, für Schurken undSchufte jeder Art ganz besonders günstig ist. In den noch nichtdrei Jahren seiner Zuhälterschaft brachte es Mamonow unterAnderem zum deutschen Reichsgrafen, zum General-Lieutenant,zum Chef mehrerer Regimenter und Ritter aller nur erdenk-lichen Orden. Die Leibeigenen, welche ihm geschenkt wordenwaren, warfen ihm gegen 100,000 Rubel jährlich ab. AmTage, da er seinenDienst" bei Katharina antrat, bekam er60,000 Rubelzur Anschaffung von Hemden", wie der tech-nische Ausdruck lautete. Sein Adjutantengehalt betrug 180,000Rubel jährlich, ähnliche Summen brachten ihm die zahlreichenübrigen Aemter. Jeder Geburtstag und jeder Namenstag trugihm 100,000 Rubel ein. Er hatte außerdem freie Verfügungüber die Privatkasse der Kaiserin, der er ungezählte Millionenentnahm. Dabei gingen alle seine Bedürfnisse, so eine täglicheTafel für seine Freunde und Bekannten, welche allein jährlich36,000 Rubel verschlang, auf Kosten der Hofkasfe, so daß erfast alles, was er baar bekam, kapitalifiren konnte. Der Werth