meinte sie cynisch: „Weshalb sollten sie einen Körper waschen,der doch nicht ihnen gehört?"
Dieses eine Wort ist bezeichnend für die politische Grund-auffassung dieses Weibes. Und noch ein zweites Wort, das ihreAnschauung vom Wesen der Staatsverwaltung charakterisirt,wollen wir anführen. Als ein armer Oberst um eine Unter-stützung bei ihr vorstellig wurde, ließ sie ihm antworten: „Wenner arm ist, dann ist es seine Schuld — er hat lange genug einRegiment gehabt." Mit anderen Worten: „Stehlt, raubt, preßtund knutet, so viel ihr wollt — dann nur hab' ich, die obersteDiebin und Räuberin, vor euch Ruhe."
Katharina kokettirte mit den französischen Aufklärern, mitVoltaire, Diderot, d'Alembert, die sich nicht schämten vor dieserunzüchtigen Konkubine eines Orlow. Potemkin, Subow u. s. w.im Staube zu kriechen und ihr auf jegliche Weise zu schmeicheln.Sie hatte sogar Voltaire'? Büste in ihrer Bibliothek aufge-stellt — als jedoch die Saat der Encyklopädisten aufging undin Frankreich die Revolution ausbrach, ließ sie den Voltair- indie Rumpelkammer werfen.
Mit Vorliebe schrieb sie politische Manifeste, die von s«ei-geistigen Phrasen wimmelten, und sogar eine Art „russischerVerfassung" erließ sie, von der seiner Zeit in Europa viel dieRede war und die selbst in Frankreich auf den Index gesetztwurde. Allein diese „Verfassung" blieb in einer Cassette ver-schlossen. als Sehenswürdigkeit für die Fremden, die nachPetersburg kamen, und jene freisinnigen Manifeste waren ledig-lich aus Montesquieau, Mably, Reccaria, Rousseau u. s. w.abgeschriebene Citate. Alles „Sand in die Augen", mit demsie das dumme Europa blenden und unter den Einfluß desKnntenstaates beugen wollte. Und zur Schande des „civilisirtenWestens" muß es gesagt werden, daß ihr dieser Plan ihresLebens thatsächlich gelungen ist: an dem russischen Barbaren-thum erstarkte auch der im Sinken begriffene Absolutismus deswestlichen Europas, und die Metternich und Consorten sind inWirklichkeit nichts anderes, als klägliche Epigonen der großennordischen H—eldin Katharina.
Sie hinterließ das Reich im kläglichsten Zustande, bis aufsMark ausgesogen. Alle ihre großartigen „Schöpfungen" aufdem Gebiet« des inneren Staatslebens waren gemalte „Potemkinsche