Irvers Despotrn. Kaum ein zweites deutsches Landhat die „Segnungen" des absoluten Herrscherthums in so reichemMaße gekostet, wie das heutige Sachsen. Trauer und Ent-rüstung zugleich erfüllt uns, wenn wir in die Vergangenheitdieses prächtigen Ländchens zurückschallen und die bitteren Schick-sale kennen lernen, die ein wackeres, arbeitsames und tüchtigesVolk jahrhundertelang durch ein System erdulden mußte, welchesdas Wohl der Millionen von dem Willen eines Einzelnen, oftgenug in Irrthümern, Schwächen und Lastern befanacnenMenschen abhängig machte.
Auf der einen Seite die „edelgeborenen", ohne Arbeitgenießenden, mit Vorrechten aller Art ausgestatteten Ausbeuterdes Volkes, die sich um den absolut gebietenden Landesfürsteugruppirten, auf der anderen Seite eben dieses Volk, von un-erschwinglichen Steuern und harten Verpflichtungen erdrückt,mit dem Fluche der Leibeigenschaft belastet, unfrei am Geist
und der einfachsten Menschenrechte beraubt-so stellt sich
uns der gesellschaftliche Zustand jenes jammervollen Zeitaltersdar, in welchem der klein-deutsche Despotismus seine Orgienfeiert. Und nur ein Gedanke vermag den Freund eines freien,edlen Volksthums bei der Betrachtung all des Elends undJammers zu trösten: der Gedanke, daß auch in jener finsternEpoche der Lichtfunke der Freiheit in den Herzen der Unter-drückte». nicht gänzlich erloschen ist, sondern insgeheim fort-