— 16 —
Koch dke Wildplage mit der Zeit so unerträglich geworden, daß„selbst Forst- und Gerichtsbeamte die Wildschützen insgeheimals wahre Wohlthäter der ackerbautreibenden Bevölkerung be-trachteten".*)
Eine rohe, gemeine Sinnlichkeit ist als ein weitererGrundzug in dem Wesen dieses sächsischen Fürsten zu nennen.Ein Beispiel von der Verlogenheit und Liebedienerei unsererbürgerlichen Geschichtsschreibcr müssen wir an dieser Stellefestnageln. Der Historiker Weber spricht in seiner Biographieder Kurfürstin Anna von Sachsen, der Gemahlin Augusts, von„der wahren, unverletzten Treue", mit welcher August seinerGattin ergeben war. Und Flath sagt in seiner Bearbeitungder Geschichte Sachsens: „Von jeher hat der familienhafteSinn unseres Volkes besonderen Werth darauf gelegt, wenner auch in fürstlichen Kreisen einer wohlthuenden Innigkeitund Reinheit des häuslichen Lebens begegnete. Daß dieseTugenden an Augusts Herd heimisch waren, hat nicht wenigdazu beigetragen, die mancherlei Flecken, die seinen Charakterverunzieren, im Andenken der Nachwelt zu verlöschen."
Mit diesen Urtheilen feiler Geschichtsfälscher vergleicheman nun die folgenden Thatsachen. Peucer, der Schwieger-sohn des Reformators Melanchthon und Leibarzt des Kur-fürsten, nennt seinen Herrn in einem Schreiben an einenFreund ausdrücklich einen „Jungfernschänder". Der venetianischeGesandte in Dresden hebt unter den Charakterschwächen Augustsauch die hervor, daß er „den Weibern übermäßig zugethansei". Georg Cracow schreibt an seinen Scbwieaersohn, den
*) Ebelmg, S. SS.