20
kaum der fünfzehnte Hauswirth am Leben war. In Freiberg,wo im Jahre 1628 viertausend bewehrte Männer gestelltwurden, konnte man kaum noch 500 zählen. In dem StädtchenSchmiedeberg war von 400 durch Hunger und Pest ums Lebengekommenen Bürgern nur ein einziges Ehepaar übrig ge-blieben. Chemnitz hatte kaum den fünften Theil seiner Ein-wohner, drei Theile der Stadt lagen in Asche. Aehnlich odernoch schlimmer lagen die Dinge in Torgau, in Eilenburg, inSchneeberg, Würzen, Rochlitz, Pirna, Pegau, Lommatzsch,Döbeln, Mittweida, Leisnig, Colditz, Langensalza u. s. w. Ineinem 9 Dörfer umfassenden Kirchspiele des Kurkreises warim Jahre 1651 nicht ein einziges Haus mehr vorhanden-Die Bewohner von Leipzig, das eine viermalige Belagerungerlitten hatte und dreimal vom Feinde erstürmt worden war,waren zum Theil so verarmt, daß üe das Fleisch verreckterHunde als einen Leckerbissen betrachteten. Katzen, Mäuse,Aas seder Art und selbst Menschenfleisch wurden mit Gierverschlungen. Wölfe und Bären vermehrten sich in entsetzlicherWeise und kamen aus den Bergwäldern in die Niederungherab, wo sie die Landleute bei der Feldarbeit überfielen undzerrissen.
B>m einem geregelten wirthschaftlichen Leben war nirgendsdie Rede, alles fristete sein erbärmliches Dasein von der Handin den Muni, ohne zu wissen, was der folgende Tag bringenwürde. Heut plünderten die Kaiserlichen, morgen die Schwedendas Land, die furchtbarsten Bedrückungen aber übten desKurfürsten .igene Truppen aus, die eine wahre Geißel fürdas arme Sachsenvolk bildeten. Mit der größten Härte ließJohann Georg die Kontributionen eintreiben, deren e» zur