SHuledil «tlbetr. Da- eine dieser Schreiben kam auS DreSdenvon der Kurfürstin, die dem hochbeglückten Lande einen Thron-folger*) geschenkt hatte; das andere Briefchen trug das Datum„Goslar* und stammte von der Gräfin Aurora, die elf Tagenach der Kurfürstin in aller Heimlichkeit Mutter eines Sohnesgeworden war. Diese Heimlichkeit war für eine unvermählteDame um so nothwendiger, als Aurora von Königsmark sichdamals bereits um die Stellung einer P r ö b st i n v o n Q u e d l i n-burg bewarb, eine Pfründe, für welche jungfräuliche Keusch-heit statutenmäßig Grundbedingung war. Es gelang ihr inder That auch, durch die Vermittlung Friedrich August's diese .Pfründe vom Kaiser zu erhalten, allein es war der letzte Lohnder Liebe, den sie persönlich empfing. Der Herr Kurfürst hattenämlich aus dem zweiten Türkenfeldzug zwar keine Sieges-lorbeeren, wohl aber eine neue Mai treffe, die GräfinEsterle mitgebracht, die ihm nunmehr die Mütter seiner beidenSöhne, die Kurfürstin und die Gräfin, vollkommen ersetzte.
Kurfürstin Eberhardine zog sich seither gänzlich vonihrem Gatten zurück, während Aurora von Königsmark sichsuf ihre Stellung als ehrwürdige Quedlinburger Pröbstin vor-bereitete, indem sie eine ganze Reihe von neuen Liebschaften an-knüpfte. Ueber ihre Beziehungen zu dem Kurfürsten giebt derbereits mehrfach von uns gmannte Baron Pöllnitz ausführ-lichen Aufschluß. So beschreibt er das „Liebesfest* auf SchloßMoritzburg, welches gewissermaßen die Hochzeit des Paaresersetzte und ein charakteristisches Sittenbild jener verdorbenen
*) Friedriry August II., geb. 17. Oktober 1696, der einzigelegitime Sohn Friedrich August'S I., Kurfürst von Sachsen und (als iAugust m.) König von Polen von 1733—1763.