aber waren durch ihren unmännlichen Kriegsherrn derartigcomimpirt, daß selbst ein Mann wie der General von derSchule nburg, der sie kommandirte, von ihnen äußerte: „Unterden sächsischen Truppen ist keine Spur von Ehrgefühl; derDienst geschieht ohne Zuneigung, ohne Eifer-, ohne Kraft, ohn,Uebung, ohne Kenntniß und ohne Subordination."
Sachsen ward durch diesen „nordischen Krieg" ausgesogerbis auf den Knochen. Patkul, einer der HauptrathgebeiAugusts, ein freimüthiger und begabter Mensch, der nur leidereiner schlechten Sache diente, spricht es gegen den König offenaus, daß seine Staatsverwaltung „bei allen Höfen Europasfür hauptsächlich corrupt gehalten wird, daß nicht einmal Geldzum nothwendigen Behufe vorhanden, alte, in vorigen Zeitenersparte Kapitalien verzehrt, nichts beigelegt, Schulden ausspöttische Weise gemacht, die Fonds ruinirt, der Credit erloschen,auch selbst die Justiz nunmehr nicht nach Regeln, beschriebenerGesetzen und gewöhnlichen Instanzen ihren Gang hat, sondernnur in einer willkürlichen Macht eines oder des andern Ministershingeliefert zu sein scheint."
Wir werden weiterhin sehen, wie in jenen barbarischerZeiten ein solches offenes Wort sder Wahrheit gelohnt wurde.Kläglich genug stand es um das kleine Sachsen, aber noch hatt,es den Kelch der Leiden nicht bis auf die Hefe geleert. Karl XU.hatte August in Stanislaus Leszczinski einen Gegenköniogegeben, und um den Sachsen zur Abdankung zu zwinge." beschloßer, ihn in seinem Stammlande an der Elbe aufzusuchen. Einganzes Jahr lang, von 1706 auf 1707, hattm nun die ent-kräfteten sächsischen Kurlande die furchtbare Last eines schwedi-schen Einbruchs zu tragen. Am 24. September 1706 wardjener schimpfliche Friede von Altranstädt geschlossen, in welchemAugust zu Gunsten des Gegenkömgs Stanislaus für immerruf die polnische Krone verzichtete und nur den hohlen Titeleiner- „Königs ohne Königreich" auf Lebzeiten beibehalten sollte.Er mußte die Krönungsinsignien und die Archive ausliefern undbem Bündniß mit Peter I. von Rußland entsagen. Auf Be-