Aus den Angelsachsen, diesen naivm, simplen Natursöhnen,rekrutirten sich alsbald die eifrigsten Verkündiger der päpstlichenLehre, so ein Bonifacius, der die germanischen Stämme amNhein und an der Weser für die „alleinseligmachende Kirche" zugewinnen suchte.
Noch reeller aber gestaltete sich die Beziehung der römischenBischöfe zu den Franken. Hier hatte sich zwischen den beidenBetheiligten, den blutbefleckten merowingischen Herrschernrnd den römischen Kirchenfesten, eine Interessengemeinschaft„auf Gegenseitigkeit" ausgebildet, welche beiden Seiten rechtsehr zu statten kam und die materielle wie die geistige Knebelungder freiheitsgewohnten germanischen Barbarenstämme gar wesent-lich förderte. Und als dann, durch Gewalt und Verrath, die„Hausmeier" der Merowinger, die Karolinger, auf denfränkischen Königsthron gelangten, da ward jene Interessenge-meinschaft noch inniger und fester geknüpft: Der Papst gabdem Kronenräuber Pipin die erwünschte „höhere Weihe"*)und Pipin übernahm es dafür, „die heilige Kirche und Re-publik Gottes" gegen die ketzerischen Longobarden zu schützen.
Aber nicht bei diesem Schutze allein ließ Pipin es be-
*) Das Argument, mit welchem Papst Zacharias damals (752)seine Handlungsweise vertheidigte, widerspricht schnurstracks demmonarchischen Prinzip der „Legitimität." Zacharias meinte: es seirecht, daß König sei, nicht, wer des Königs Namen trage,sondern, wer des Königs Pflicht erfülle. Infolge dieserrevolutionären Logik des Papstes kam der letzte „legitime" König ausdem Geschlecht der Merowinger um seinen Thron. Ditz -legitimen"Beherrschender Völker haben in späteren Zeiten häufig genug Ge-legenheit .zehabt, dieselbe päpstliche Logik am eigenen Leibe zu er-proben