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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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römisches und ein oströmisches Reich getheilt wurde, ging auchdie oströmische Christenheit ihrer eigenen Wege und zerrißschließlich auch den letzten Zusammenhang mit dem Papstthum.

Von derallgemeinen Weltkirche" war somit für denBischof von Rom nur ein Theil übrig geblieben: die Kircheder weströmischen, von Rom aus beherrschten Länder. Aberdie Muth der Völkerwanderung, welche die ganze römischeStaatsherrlichkeit in kaum zweihundert Jahren himmgspülte,schien auch dem Nachfolger Petri verhängnißvoll zu werden.Dicht vor den Thoren der Papststadt setzte sich der kriegerischeGermanenstamm derLangobarden" fest, die sich zu derschrecklichen" Lehre des Ketzers Anus bekannten. ArianischeVölker, Burgunder und Gothen, hatten sich auch in denübrigen Ländern des einstigen weströmischen Reiches niederge-lassen, und der germanischen Sturmfluth sollte alsbald eineneue die arabisch-muhamedanischc folgen. Nord-afrika und Spanien waren bereits den Bekennern des Islamerlegen, und der muhamedanische Feldherr Musa hatte demPapste unverblümt kundthün lassen, daß er über die Pyrenäenund Alpen nach Rom vordringen wolle,um MuhamedsNamen am Vatican ausrufen zu lassen."

Höchst klüglich war es in jenen Tagen um die Macht desBischofs von Rom bestellt. Die alte Stütze des römischenStaatswesens war zusammengebrochen, und lange schauten oieheiligen Väter nach einer neuen aus. Da endlich fand derPapst einen frischen Boden, auf dem er seine Saat aussäenkonnte: in den germanischen Volksstämmen der Franken undAngelsachsen boten sich ihm neue Bundesgenossen dar, diefeinen Herrschaftsbestrebnngen willkommene Hilfe versprachen.