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heidnischer Geisterfurcht und Abergläubigkeit steckenden Halb-wilden, die das europäische Festland überschwemmt hatten,hätte nicht gern die Aussicht auf ein ewiges Leben in einemunbekannten, an allen Herrlichkeiten reichen Engellande durcheinen Kniefall war vor diesen prunkhast ausgeschmückten römi-schen Priestergreisen erkaufen wollen? Der „Gott auf Erden"war diesen naiven Söhnen der Wildniß ein sichtbarer Ersatzfür jene Götter, die dereinst in den heiligen Hainen von ihrenVatern verehrt worden waren. Wie aber die volksthümlicheGottesvorstellung jener Zeiten im Wesentlichen die Vorstellungeines mit Krone und Purpur geschmückten, von Vasallen,Edelknaben und Reisigen umgebenen feudalen Königs war, soschien es auch dem neuen „Gott auf Erden" höchst natürlich,daß er sich mit diesen Attributen eines weltlichen Herrschersversah, um der Phantasie seiner Gläubigen ein wenig entgegen-zukommen.
Das konnte er jetzt mit Fug und Recht, dank der pipini-schen Schenkung. Zu dem Stab des geistlichen Oberhirtenkamen Szepter und Schwert, mit denen der StellvertreterGottes den ihm Unterthanen Seelen gar gewaltig imponirte.Damit aber nicht etwa irgend ein Unberufener käme und dem„Gott auf Erden" jenes gefährliche Buch vorhielte, auf welchessich vorgeblich die römische Lehre aufbaute — jenes Buch derchristlichen Evangelien, in welchem geschrieben stand: „Ihrmistet, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Ober-herren haben Gewalt; so soll es nicht sein unter euch,sondern so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euerKnecht"*)-so beschlossen die neuen Machthaber ganz
Matttz. 20. 25 -27. Marc. lO. 42. 44. Luc. 22. 25. 26.