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zwei Seiten, von Frankreich mid Venetien her, ein Einfall indas Hcrzogthum Mailand gemacht, das alsbald in der Gewaltdes Franzosenkönigs war. „Als raubgieriger Geier", wieGrcgorovius sich ausdrückt, folgte Cäsar den Fahnen desKönigs. Sobald Mailand besiegt war, wollte der König ihmdie nöthigen Truppen znr Unterwerfung der Romagna geben,die zwar dem Namen nach dem Papste Unterthan war, inWirklichkeit jedoch sich in der Gewalt von einigen Dutzendenkleiner Raubtyrannen befand, die Cäsar aus ihren Nesternherauszuräuchern gedachte.
Cäsar Korgta als weltlicher Fürst. Ein selt-sames Schauspiel ist es, diesen blutigen jungen Aasgeier überden Häuptern der zitternden Schaar kleinen feudalen Raub-zeugs, das sich damals vom Marke des italischen Volkesmästete, seine Kreise ziehen zu sehen. Es lag durchaus imGeiste jener Zeit, daß selbst ein so feiner humanistischerDenker, wie Macchiavelli*) sich nicht entblödete, den Papst-sohn als den „Befreier" Italiens zu feiern. Der HumanistMacchiavelli gehörte eben geradeso an die Seite des absolu-tistischen Emporkömmlings Borgia wie der Großkapi-tal st Agostino Chigi, der in den letzten Jahren CäsarsBankier war. Diesen Männern konnte ein Cäsar Borgia als„Befreier" erscheinen, was aber das ausgeplünderte italischeVolk anlangt, so mögen die Logiker des Byzantinismus ent-scheiden, was einem Volke bekömmlicher ist — ob es vonhundert Wölfen und Hyänen, oder von einem einzigen Tigeraufgefressen wird. Jedenfalls war das Scheusal, Cäsar, dieserblutbefleckte Priesterbastard mit dem von Eiterbeulen zerfressenenGesichte, dieser Brudermörder, Wüstling und Schleicher derallerseltsamste „Volksbefreier", den jemals die Geschichte ge-sehen hat.
Vortrefflich hatte Vater Alexander inzwischen seinem er-
*) Verfasser des bekannten Buches „Der Fürst", welches dieGrundprinzipien des Absolutismus logisch zu entwickeln sucht.