wird Cäsar Borgia allezeit als ein mit den „ausgezeichnetstenHerrschertugenden" ausgestatteter Musterknabe „glänzen".
Welch' ein Genuß muß es sein, von einem solchen Mo-narchen regiert zu werden!
Urtheile AVer Alexander VI. Wir lassen nunmehr zum Schluß eine Reihe von Urtheilen folgen, die zu ver-schiedenen Zeiten und von Menschen verschiedenster Richtung,zum Theil von gutgläubigen römischen Katholiken, über Alexan-der Vl. gefällt worden sind und interessante Lichtreflexe ausdiese wahrhaft unheimliche Papstgestalt fallen lassen.
Sannazar, ein neapolitanischer Dichter und Zeitgenossedes Papstes, äußerte, „Alexander habe den Nero, Caligulanid Heliogabal*) übertroffen und Gott und Himmel langeZeit für eine Lappalie gehalten."
Mornäus, gleichfalls ein Zeitgenosse Alexanders, gabdas ebenso naive wie bezeichnende Urtheil ab: „Alexander habemit dem Satan einen Pakt bezüglich des päpstlichen Stuhlesgeschlossen und nichts gethan, ohne sich mit dem Dämon zuberathen."
Macchiavelli, ein leidenschaftlicher Verehrer des Papst-sohnes Cäsar, äußerte von Alexander VI.: „Sein Sinnen undMachten war auf Meuschentrug, Bosheit und Hinterlist ge-richtet. Niemand hat so feierlich geschworen und seinen Schwurso wenig gehalten als er."
Bischof Garimberto, ein Lobhudler des Papstthums,muß zugeben, daß „Alexanders schändliches Leben von demschlimmsten Beispiel für sein Zeitalter sein mußte."
Bischof Giovio sagt: „Bei seiner grausamen Gier nachVergrößerung seiner Macht . . . schädigte er in großartigemMaßstabe den Stand der Dinge in Italien, da er das Papst-thum, welches noch kurz zuvor als so ehrwürdig und heiliggalt, mit verschiedenen Schandthaten befleckte."
Thomas Füller meint: „Dieser Alexander war unter
*) Blutdürstige römische Kaiser.