den Päpsten der erste, der seine Bastarde öffentlich anerkannte
und, während seine Vorgänger, die ein Feigenblatt der völligenNacktheit vorzogm, sie unter die Namen von Neffen und Pathenversteckten, war er in seiner Schlechtigkeit ein solcher Wilder,daß er seine Sünden vor allen Augen bloßlegte."
Gucciardini urtheilt: „Alexander besaß außerordent-lichen Fleiß und ungewöhnliche Klugheit, hatte eine bewunderungs-würdige Ueberzeugungsgabe, Muth zu schweren Unternehmungenund eine unglaubliche Geschicklichkeit. Aber die Tugendenwurden weit überwogen durch seine Fehler: zuchtloses Betragen,Schamlosigkeit, unersättlichen Geiz, unbändige Ehrsucht undmehr als barbarische Grausamkeit."
In dem katholischen Kirchenlexikon von Wetzer undWelte heißt es: „In der That zeigte sich Alexander VI. alseiner der unwürdigsten Menschen, die den päpstlichen Stuhlentehrt haben. . . . Schon das erwiesen Wahre ist arg genug,um auf ewig den Fluch auf das Andenken Alexanders zu werfen."
Aschbachs Kirchenlexikon besagt: „Alexander VI. hat durchseinen lasterhaften Lebenswandel den päpstlichen Stuhl geschändet.Die Leidenschaften des Ehrgeizes und der Habsucht, der Nachgierund der Wollust haben in ihm ihre Herrschaft aufgeschlagen."
Leo schreibt in seiner „Geschichte der italienischen Staaten":„Sein ganzer Charakter voll Habsucht und Grausamkeit, vollLüge und Treubruch, die Freiheit, mit welcher er aller geist-lichen Haltung Hohn sprach, kündigte einen Papst an, demnichts heilig sein würde; und so war es."
Schlosser meint in seiner „Weltgeschichte": „Die Zeitdieses Papstthums war ärger als das berüchtigte Curtisanen-regiment der Theodors und Marozia, wir dürfen aber die vonZeitgenossen aufbewahrtm Anekdoten der ärgerlichen Chronikdes päpstlichen Hofes hier nicht aufnehmen, um nicht frommeSeelen — zu kränken."
Schoppner schreibt in seinen „Charakterbildern": „Umdie Kirche kümmerte sich Alexander wenig; er war allzu sehrin weltliche Interessen verflochten... Der Mittelpunkt seiner