Buch 
Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
Entstehung
Seite
20
JPEG-Download
 

Heinrich der Nwe verstand sich gar nur unter der bis dahinunerhörten Bedingung zur Gründung von Bisthümeru in demeroberten Lande, daß die geistlichen Würdenträger politischseine Oberhoheit und nicht die des Kaisers anerkannten.

Mit ihrem ganzen umständlichen Apparat rückten nun dieMannschaften der Kirche in Mecklenburg ein. Nicht wenigerals fünf Bischöfe theilten sich in das fette Ländchen, undlangen und bösen Hader gab es unter den Kirchenfesten umdie Abgrenzung der einzelnen Bischofssprengel. Unter deneinmarschirenden Mönchsschaaren standen in erster Reihe dieCistercienser, die gerade in jener Zeit sehr in Mode gekommenwaren und, im Gegensatz zu den übrigen tief verlottertenOrden, im Gerüche einer ganz besonderen Sittenstrenge standen.Da die Ordensregel diesen frommen Brüdern und Schwesterndie Befassung mit weltlichen Dingen untersagte, so war ihnenzurSicherung ihres Unterhalts" erlaubt, sich für den land-wirthschaftlichen Betrieb ihrer ausgedehnten Besitzungen so-genannteConversenbrüder" zu halten, das heißt Inspektorenund Großknechte in der Kutte, welche die auf den Ordens-gütern angesiedelten Kolonisten zu überwachen hatten. Dieentwickeltere Produktionsweise der römisch-christlichen Länderhielt in-dem jungfräulichen Mecklenburg ihren Einzug. Vor-werke und Meiereien, Kalk- und Ziegelbrennereien, Mühlen,Gerbereien, Glashütten u. s. w. wurden auf den Ordens--gütern eingerichtet und gaben alsbald dem Lande ein ganzverändertes wirthschaftliches Aussehen. Auch Hopfen- undWeinbau der letztere für die Zwecke des kirchlichen Meß-opfers wurde betrieben; als profaner Trinkwein warddieses einheimische Erzeugniß, das namentlich in der Nähe vonMirow gebaut wurde, selbst von den unverwöhntesten Gaumenfür zu schlecht befunden. Auch ländliche Handwerker zog derCistercienserorden nach seinen Besitzungen, so daß die zehnMönchs- und Nonnenklöster desselben, die im zwölften unddreizehnten Jahrhundert in Mecklenburg gegründet wurden, alsökonomische Musteranstalten galten, und von den Fürsten und