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die neuen Colonistcn zu leisten hatten, schadlos zu halten. Da-mit aber die deutschen Ritter, die mit deu Sachsenherzögen insLand gekommen waren, nicht etwa auf den Gedanken kämen,sich der slawischen Konkurrenten noch hinterher zu entledigen,oder gar die deutschen Bauern selbst den Handel merkten unddie wendischen Zinsherren zum Henker jagten, brachten dieletzteren ihre slavischen Vornamen zum Opfer, legten sich dieNamen ihrer Stammlehen als Geschlechtsnamen zu und wurdenin Lebensweise und Sitte, wie überhaupt in allen Dingen dieenragirtesten „Deutschen." Ein überraschender Beleg für dieHinfälligkeit jener so vielfach mißbrauchten Begriffe der „Nasse",der „Nationalität", der „Volksart" u. s. w., die eben genauso wie alle sonstigen Erscheinungen des gesellschaftlichen, politi-schen und geistigen Lebens dem umformenden Einfluß derökonomischen Vorgänge unterliegen und nur im Zusammenhangmit ihnen zu begreifen sind.
Rom in Mecklenburg. Auch die Herren in derKutte fanden sich, nachdem die mecklenburgischen Lande glücklich„christianisirt" waren, alsbald ein und präsentirten ihre Wunsch-liste. Zu bekehren gab es in Mecklenburg nichts mehr, dennes waren ja „christliche" Germanen, die jetzt das Land be-wohnten. Es handelte sich also nur noch darum, die Welt-herrschaft der Kirche auch in diesem verlorenen Erdenwinkel zurAnerkennung zu bringen, daß heißt, so viel zu nehmen, alsman irgend konnte.
Die christlichen Fürsten durften sich nun nicht längerweigern, die Forderungen der Kirche zu erfüllen, wenn sienicht die Rache Roms auf ihr Haupt heraufbeschwören undsich dem gefürchteten Bannstrahl aussetzen wollten. So gingdenn zuerst Fürst Adolf von Wagrien, dem ein Theil desWendenlandes zugefallen war, an die Gründung eines Bis-thums zu Altenburg. Wie es jedoch dabei um seinen kirch-lichen Sinn und seine Frömmigkeit stand, erhellt aus derMeldung des Chronisten, daß er den Bischof bei der Landzu-messung durch Anwendung falschen Maßes betrog.
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