28
dieser Herren hatte seinen Hofstaat, seinen Marstall, seinen Troßund seine zehnerlei Schmarotzer, die alle auf Kosten der ge-treuen Unterthanenschaft leben wollten. Da galt es denn, einKrongut nach dem anderen zu verpfänden und der Zölle,Judenschutzgelder, Gerichtssporteln, Hufensteuern, Kontributionenund sonstigen „Plichten und Unglichten" so viel als möglichzu erfinden, und dennoch kamen die armen mecklenburgische»Regierer aus den Verlegenheiten nicht heraus und mußten zuguterletzt zu allerhand Praktiken greifen, die durchaus nicht mehr„schön" waren und den Räubereien ihrer ritterlichen Vasallenso ähnlich sahen wie ein Ei dem andern. Leicht ist's den Herrenwahrlich nicht geworden, ihre angestammten Lande zu „regieren".
Diese tristen Verhältnisse brachten die Landesherren mehrund mehr in Abhängigkeit von ihren Vasallen, ohne die dasKriegführen, das heißt der Landraub, in jenen Zeiten nichtmöglich war. Um irgend einen ihrer kleinen Nachbarn — mitden großen wagten sie nicht mehr anzubinden — einen FetzenLand oder eine Stadt wegzunehmen, mußten sie häufig dieHilfe der Ritterschaft förmlich erbetteln und ihr ein Schloß,eine Vogtei, ein Dominialgut nach dem andern zu Pfandegeben. Das feudale Verhältniß zwischen Lehnsherr und Va-sallen hatte sich derartig gelockert, daß die Ritter den Herzögenschließlich gar nicht mehr gehorchten und die letzteren nicht selten,wenn sie ihre „Getreuen" zu einer Fehde aufriefen, sich un-verrichteter Sache von bannen trollen mußten, weil die Rittereinfach dem Aufgebot keine Folge leisteten. Sie hatten ebenein Haar darin gefunden, für ihre Lehnsherren die Kastanienaus dem Feuer zu holen, uud zogen es vor, auf eigene Faustzu „arbeiten", das heißt die Bürger uud Bauern im eigenenLande zu „schinden", wie der Knnstauedruck jener Tage lautete.
Die Edelsten «nd Kesten. Gegenüber diesem Treibender adeligen Wegelagerer waren die Laudcsväter so vollkommenohnmächtig, daß es geradezu wie ein Hohn klingt, wenn mandie Herrscher jener Tage als „Schützer des Rechts" und „För-derer des Volkswohls" bezeichnet. „Raub und Ausbeutung"