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ist das Stichwort auf der ganzen Linie des gesellschaftlichenLebens, das im Grunde genommen nur zwei Klassen vonMenschen kennt: Geschundene und Schinder. Wenn einzelneder Fürsten es versuchten, im Bunde mit den Städten gegendie „Edelsten und Besten" vorzugehen, so mußten ihre Nach-folger dafür doppelt büßen, so daß sie es schließlich vorzogen,mit den ritterlichen Dieben und Räubern gemeinsame Sache zumachen.
Namentlich in den Grenzbezirken betrieben die Herren vommecklenburgischen Uradel ihr Räuberhandwerk mit Vorliebe, weiles hier, wo die märkischen ins Mecklenburgische und die mecklen-burgischen in die Mark einfielen, am ehesten den Anstrich eines„öffentlichen Krieges" erhielt. Die armen Opfer waren nichtetwa die edlen Herren selbst, sondern in erster Linie ihreBauern, denen ihr Vieh weggetrieben und ihre bewegliche Habe,der sogenannte „Plunder"*) fortgenommen wurde. War aufbeiden Seiten eine gewisse Anzahl von Räubereien verübt worden,so wurde zu einer sogenannten „Abrechnung" geschritten, dasheißt man verrechnete die beiderseits gestohlene Habe, vertrugsich wieder und ließ den bestohlenen Bauern — das Nach-sehen. Bald aber ging das Rauben, Brennen, Morden und„Boddenstulpen"**) wieder von vorn los.
Eine ganze Anzahl solcher „Abrechnungen" ist in dendiplomatischen Archiven der Provinz Brandenburg erhalten ge-blieben. So wurden allein in derÄrafschaft Rnppin innerhalbdreier Jahre (1422—1424) durch mecklenburgische Edelleutenicht weniger als 63 Räubereien verübt, wobei durch dieViehdiebe 11,339 Schafe, 5452 Stück Rindvieh, 1668 Pferde,3819 Schweine und 1317 Ziegen weggeschleppt wurden. Die
*) Von „plündern". DaS Wort bezeichnete ursprünglich, ohneverächtlichen Nebensinn, den beweglichen Hausrath,
**) DaS „Boddenstulpen" war eine in Mecklenburg sehr beliebteArt des Raubens, wobei die Insassen der Häuser, während das Gehöftgeplündert wurde, unter Tonnen (Bütten, „Bodden") gesteckt wurden,