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protestantischen Mächten des Nordens gehalten und hätten amliebsten vereint mit diesen gegen die Kaiserlichen losgeschlagen.Die scheinheiligen Gesinnungslumpe von der Jnnkerschaft jedochwollten ihnen kein Geld zur Kriegführung bewilligen und tadeltendie Herzöge heftig wegen ihrer „Auflehnung gegen die kaiser-liche Majestät", indem sie durch diese heuchlerische Loyalitätden Einmarsch der Kaiserlichen von ihren Erbgütern abzuwendenhofften. Da aber hatten sie die Rechnung ohne den Wirthgemacht: Wallenstein selbst, der kaiserliche Generalissimus,hatte sein Auge auf Mecklenburg geworfen und sich für sct^egeleisteten Dienste vom Kaiser — im Jahre 1628 — zumerblichen Herzog von Mecklenburg ernennen lassen.
Dieser Realpolitiker hatte erkannt, daß die niederdeutscheTiefebene seit der Auflösung der päpstlichen Monarchie unver-kennbar nach dem baltischen Meere gravttirte. So war dennin seinem weitausschauenden Kopfe der Plan entstanden, sichfür seine eigene Person am Gestade der Ostsee ein Erdreichzu begründen, und Mecklenburg schien ihm der geeignete Boden,von dem aus er diesen Plan ins Werk zu setzen vermochte.Schon schaute er nach Pommern und den übrigen Nachbar-ländern aus, schon gedachte er, um den Dänen und Schwedenein Paroli zu bieten, den seit der Entdeckung Amerikas vonseiner Höhe gesunkenen Hansabund wieder zu beleben und einZukunftsbild von kühnsten Umrissen mochte sich bereits in seinemGrüblerschädel malen.
Jetzt sahen die mecklenburgischen Stände mit Entsetzen,wohin ihre Verrätherei sie geführt hatte. Nun hatten sie esnicht mehr mit ihren schwachen, ewig geldklammen Herzögenzu thun, sondern mit einem Manne, der ihnen im Punktebrutaler Rücksichtslosigkeit zum mindesten gewachsen war. Wasihnen bevorstand, wenn sie zu mucken wagten, ersehen wir auseinem Briefe Wallensteins an seinen Feldherrn Arnim, indem er schreibt, daß er Widerspruch von ihrer Seite nicht un-gern sähe, „denn dadurch verlieren sie alle ihre Pri-vilegien", wie denn auch schon Befehl gegeben war, nöchigen
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