kleinen Kurfürsten von Sachsen, von Baiern, von Branden«bürg nach Königskronen ausschauen ließ, hat auch dem kleinenmecklenburgischen Gernegroß den Kopf verdreht, und nichts Ge-ringen s will er werden, als — König von Neapel oderHerrscher der Niederlande. Dazu soll ihm der deutscheKaiser verhelfen, um diesen Preis will er seinen lutherischenGlauben gegen den Katholicismus vertauschen, will er einekatholische Habsburgenu heirathen und seine protestantischenStammlande den Sendlingen des Papstes zur unbeschränktenBekehrnngsarbeit öffnen. Und schon haben die AbgesandtenNoms die Grenze überschritten, um den Boden zu sonderen undden weiteren Feldzugsplan zu verabreden*) — da scheitert anden maßlosen Forderungen des Herzogs der ganze saubereHandel.
Karl Leopold aber war um neue Pläne nicht verlegen:ist's nicht der Kaiser, so ist's der Zar, dachte er — und sobewarb er sich um eine Nichte Peters des „Großen",Katharina Jwanowna, mit der er sich in der That imJahre 1716 vermählte.
Jetzt glaubte er endlich die Zeit gekommen, da er, mitHilfe seines hohen Verwandten, in seinem Lande „Allen 1s§68(Gesetze) vorschreiben" würde, wie er selbst sich auszudrückengeruhte. Der „nordische Krieg", den die Sachsen, Dänen undNüssen gegen den Schwedenkönig führten, hatte den Zaren ebennach Pommern geführt, und so rückte er mit etwa 8000 Mann,zu denen bald darauf von der See her noch 7000 Mann an-langten, in Mecklenburg ein und begann alsbald im InteresseKarl Leopolds zu „arbeiten."
Der mecklenburgischen Junkerschast ward es nunmehr garschlimm zu Blüthe, denn die russischen Verbündeten des Landes-vaters hausten im Lande nach echter Barbarenart und plündertenihre Vorratskammern in unnachsichtiger Weise. So mußten
*) Papst und Kaiser verlangten inner anderem, daß in Dvbero^wieder ein Benediktinerkloster eingerichtet würde.