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Absolutismus in ein konsequentes System brachten und an dieStelle der Universalherrschaft setzten. Während in den übrigenLändern Europas — in Frankreich, England, Deutschland —nach Ausschaltung des päpstlichen Einflusses die Klassengegensätzein schärfster Form zu Tage traten und sich in Gestalt blutigerReligionskriege entluden, hatte Philipp II-, der König vonKastilien, Aragon und Leon, von seinem Vater Carl V. einin sozialer Beziehung ziemlich einheitlich geartetes Erbe über-nommen. Der Protestantismus hatte in dem spanischen Volkekeinen günstigen Boden gefunden: die jahrhundertelangenKämpfe mit den muhamedanischen Mauren hatten in derspanischen Bevölkerung einen spezifisch katholischen Fanatismuserzeugt, der sich als ein ausgezeichnetes Schutzmittel gegen dieneuen Lehren erwies. Und wo etwa, wie in Valladolid,Sevilla u. s. w., sich protestantische Gemeinden gebildet hatten,da verrichtete die Inquisition mit ihren Folterwerkzeugen undScheiterhaufen so korrekte, „ganze" Arbeit, daß den Spaniernalsbald die Lust zum „Protestiren" verging.
So konnte sich Philipp II. mit Fug und Recht als denSchirmherrn seines angestammten römischen Glaubens betrachtenund sich den „katholischen König" xar exoellsnes nennen.
Man sollte nun annehmen, daß das Oberhaupt der Kirchceinem dermaßen getreuen Sohne voll Rührung hätte in dieArme sinken müssen. Aber weit gefehlt: Papst Paul IV.Caraffa, der den Spaniern gar zu gern ihre italienischen Be-sitzungen abgejagt hätte, benamste vielmehr die getreuen Söhneder Kirche mit Titeln wie „gottverfluchte Hefe der Welt, Nach-kommen von Juden und Mauren", und belegte, im Angesichtder Scheiterhaufen von Sevilla, den „katholischen König" feier-lichst mit dem Banne.
Der „katholische König" aber nahm den Zorn des heiligenVaters durchaus nicht tragisch: er warf den Ueberbringer derpäpstlichen Bannbulle in ein dumpfes Kerkerloch, gegen seineHeiligkeit selbst aber sandte er seinen Feldherrn Alba, derden Papst in einem Schreiben den „Stiefvater der Christen-