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heit" nannte, ihm „Tyrannei, Unmenschlichkeit und infameLüge* vorwarf und mit seinen Söldnerschaaren in den Kirchen-staat einrückte.
Angst und Entsetzen ergriff den Papst ob solchen Thunsseiner spanischen Gläubigen. Auf die vatikanischen Truppenwar kein Verlaß: 3000 deutsche Lutheraner bildeten deneinzigen zuverlässigen Kern derselben. Ausreichende Hilfe kamvon keiner Seite — so blieb denn dem Statthalter Gottes,dessen Actien bereits gewaltig gesunken waren, nichts weiterübrig, als klein beizugeben und sich mit seinem „allergetreuestenSohne von Spanien" zu vertragen (1557).
Damit hatte gerade das katholische Spanien zu allererstdas alte Verhältniß zur römischen Papstgewalt endgiltig zer-stört und sich dieser gegenüber selbstständig gemacht. Das staat-liche Prinzip hatte über das kirchliche den Sieg davongetragen.Wohl wollte Philipp ein katholisches Spanien, aber er wollte dassouveräne Haupt desselben sein, wollte in den kirchlichen Angelegen-heiten ebenso unabhängig schalten wie in den weltlichen.
Dieser Erfolg auf kirchlichem Gebiete war von wesent-lichstem Einfluß auf die weitere Ausbildung des despotischenRegiments, das der spanische Monarch zu allererst auf denTrümmern der feudalen Vergangenheit aufrichtete. Mit Hilfeder Inquisition und des fanatischen kosmischen Kleinadels, dener in einen weitläuftigen büreaukratischen Apparat umwandelte,wußte er die Feudalherren des Landes wie die wenigen größerenStädte, die noch eine gewisse Unabhängigkeit besaßen, nieder-zuwerfen. Und wo ihm etwa, wie in Aragonien, einheftigerer Widerstand entgegengesetzt wurde, da zögerte er nicht,fich seiner stärksten Waffe, des wohlorganisirten Söldnerheeres,zu bedienen.
Soldaten, KSrrankraten m»d Massen — das
waren die Stützen des neu-europäischen Absolutismus, wie erzuerst in Philipp II. von Spanien sich verkörperte. ObersterStaatszweck war der „Glanz der Krone Hispaniens", dieserGlanz aber wurde in kriegerischen Thaten gesehen, welche die