12
Überlegenheit Spaniens über alle übrigen Länder der Christen-heit darthun sollten. Das Phantom der Universalmonarchie,das einstmals im Papstthum greifbare Gestalt angenommen zuhaben schien, spukte jetzt weiter in dem Königspalaste vonMadrid, den der katholische König sich zur Residenz ausersehenhatte. Da aber die Soldaten, welche den Ruhm und Glanzauf die Krone des Souveräns häuften, eine gar kostspieligeSache waren, und da oft genug zu dem Siege sich Niederlagengesellten, so hieß es für die Minister des Königs Geld, Geldund immer wieder Geld herbeischaffen.
Und so mußten sie denn alle mit einander bluten:die reichen Niederländer, die unter Spaniens Oberhoheitstanden, und die amerikanischen Kolonien, und die stolzenSpanier, selber und dennoch waren sie bei weitem nicht imStande, die ewig wachsenden „Bedürfnisse des Staates" zubefriedigen. Es rann Alles wie durch ein Sieb bei diesemneuen spanischen System. Bis aufs Mark wurde der hilfloseBauer und der Gewerbsmann ausgeplündert und als nachvierzigjährigem „glorreichem" Regiment Pphilipp H. zu seinenVatern versammelt ward, hinterließ er das ehemals blühendeSpanien als ein bankerottes, wirthschaftlich für immerruinirtes Land.
In dem Staate Philipps haben wir den Hauptzügen nachdas Prototyp der militärischen Monarchie, die Urform dermodernen Dynastie-Staaten vor uns. Aus der Gliederungdes europäischen Festlandes ergab sich uun von selbst dieReihenfolge, nach welcher dieses neue System die einzelnenLändergebiete heimsuchen sollte. Indem dasselbe von Westennach Osten fortschritt, kam nach der pyrenäischen Halbinsel zu-nächst Frankreich an die Reihe.
Der Absolutismus in Frankreich. In diesemdurch Lage und Klima außerordentlich begünstigten Lande solltendie Dinge sich indessen nicht so einfach entwickeln, wie in Spanien.Es fehlte in dem Frankreich des sechzehnten Jahrhunderts jenesfeste Band, das auf spanischem Boden durch die langwierigen