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Seiten lächelnder Diplomatenschlauheit ins Werk gesetzt wurden.
Die Demüthigung des mächtigen Hochadels, die Beschnei-dung der ständischen und kommunalen Freiheiten, die Organi-firung einer königstreuen Bureaukratie, die Schaffung einesstehenden Heeres — das waren die großen Sorgen, die demersten absolutistischen Beherrscher Frankreichs vor Allem amHerzen lagen. Das warnende Beispiel Philipps lehrte ihn,die Kuh nicht zu schlachten, die er melken wollte — und sowar er denn darauf bedacht, die Thätigkeit der arbeitendenKlassen in seiner Weise „aufzumuntern" und zu „beleben,"um sie für die Steuerexperimente seines Finanzministers destoempfänglicher und für seine königlichen Kassen desto ergiebigerzu machen.
Denn auf die Füllung dieser Kassen war es vor Allemabgesehen. Der „Glanz seiner Krone" war nämlich ebensosehr das Ideal dieses bourbonischen Monarchen, wie er dasIdeal des spanischen Habsburgers gewesen war, und derTraum der „Universalmonarchie" spukte in seinem Kopfe ebensoweiter, wie in dem Kopfe Philipps.
Diese gekrönten Narren konnten die wahnwitzige Vor-stellung nicht los werden, daß sie dazu berufen seien, ibre er-bärmliche Individualität mit dem gesammten Planeten, der siehervorgebracht, zu identifiziren und zu den Dimensionen diesesPlaneten anseinanderzuzerren.
Kaum war denn auch der „katholische" König Philippgestorben, als Heinrich//^. sich anschickte, seine Erbschaft an-zutreten und nach der „ersten Geige" im Concert der europäi-schen Großmächte zu trachten. Ueber den ganzen Erdtheil hinhatte er seine diplomatischen Intriguen eingefädelt, um denHabsbnrgern den Rang abzulaufen. So sehen wir denn auch,als kaum die Kassen, dank dem Schweiße des „aufgemunterten"Volkes, einigermaßen gefüllt waren, den vielgepriesenen Auf-muntere! und Volksfrennd um einer entflohenen Maitressewillen das Schwert ziehen und zu glänzenden Kriegsthatenausholen. Und wer weiß, zu welchen „glänzenden Zielen"