zehnte vorher dem Königthum, als dem Befreier aus den feu-dalen Wirren, zugejubelt hatte, begann bereits unter dem Druckder auf seine Schultern gepackten Lasten recht vernehmbar zustöhnen. Als Richelieu, der „geniale Staatsmann und Säkular-mensch" jener Tage, sich zu den Todten legte, zündete dasVolk von Paris Freudenfeuer an, und die ausgebeutelten Pro-vinzen folgten seinem Beispiel.
Kourdouifche Majestäten. Inzwischen bietet dieDynastie, auf deren Haupte die „glänzendste Krone" Europasruhte, ein nichts weniger als majestätisches Bild dar. Da istLudwig XHl., diese Jammergestalt, unbedeutend, kränklich, einwillenloser Automat in den Händen des allmächtigen Ministers.Richelieu regierte, und der Monarch schrieb Leitartikel für die„Clarstts äs Kranes", in denen er die despotischen Maß-regeln und die landräuberischen Entwürfe des Premiers ver-theidigte!
Da ist ferner Anna von Oesterreich, die Königin, die !Tochter des spanischen Habsburgers Philipp III., die mit -13 Jahren an den gleichaltrigen Ludwig verheirathet worden I
war, jedoch in ihrer Ehe das erwartete Glück nicht gefunden >
hatte und anderweitig Trost für ihr verwaistes Herz suchte, ^wie beispielsweise bei dem schönen englischen GesandtenBuckingham.
Dreiundzwanzig Jahre lang war die Ehe des Königskinderlos geblieben, da überraschte im Frühling 1638 KöniginAnna ihren Gemahl mit der freudigen Nachricht, daß sie sichMutter fühle. Am 5. September dieses Jahres schenkte sie,während vor der deutschen Festung Breisach der deutsche HerzogBernhard mit französischen Kanonen zum Ruhme Frankreichs„arbeitete", einem Prinzen das Leben, der dazu berufen war, ^das Werk des Weimaraners zu vollenden und der deutschenReichsherrlichkeit einen letzten entscheidenden Aderlaß beizubrinaen.
Ludwig XIV. Dieser Prinz war Ludwig XIV.,der Nachfolger Ludwigs XIII., der in einer dreinndsiebzig-jährigen Regierung den modern-europäischen Absolutismus auf