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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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Er fühlte sich eben schon als lehnspflichtlgen Vasallenseines neuen Herrn, und wenn er ihm den Eid der Treuenoch nicht geleistet hatte, so lag das einzig daran, daß erbessere Lehnsbedingungen herauszuschlagen hoffte, als die Fran-zosen sie ihm boten. Was fragten diese Raubfürsten, obDeutsche oder Franzosen, ob Protestanten oder Katholiken, vielnach der Nationalität und dem Glauben der Völker! Ihnenwar es eben nur darum zu thun, ein recht großes Stück Landzu ergattern, auf dem sie ihr Handwerk desRegicrens", dasheißt, nach den Vorstellungen jener Tage, des mehr oder wenigergeschickten Auspliinderns möglichst ungestört betreiben konnten.

Bernhard von Weimar sollte den Lohn seines Verrathsan den österreichischen Habsburgern nicht erhalten. Währender noch mit der Eroberung des Elsaß beschäftigt war, raffteein Fieber ihn hin, und das Elsaß fiel nunmehr an das sieg-reiche Frankreich, in dessen Auftrage und mit dessen HilfeBernhard es erobert hatte. General Er lach, gleichfallseinguter" Protestant deutscher Abstammung, den Bernhardin dem kurz vorher eingenommenen Breis ach als Statthaltereingesetzt hatte, übergab nach dem Tode des Herzogs ohneweiteres die Schlüssel der Festung den französischen Truppen-führern.

Das ist der vielbeschrieneRaub des Elsaß durch dieverworfenen Welschen," mit dem Richelieu das Vordringendes französischen Absolutismus gegen Osten hin einleitete. Alsbald darauf (1642) dieser Blut- und Eisenmensch im Kardinals-hut starb, hinterließ er das Gebäude des französischen Des-potismus, dessen Fundamente von Heinrich IV. gelegt wordenwaren, im Rohbau bis zum Dache hinauf vollendet. Frank-reichsKrone" strahlte im hehren Glänze der kriegerischenund diplomatischen Erfolge, welche Richelieu errungen hatte.Der -einer Unabhängigkeit beraubte Adel ballte zwar immernoch die Faust in der Tasche, doch begann er bereits an demüppigen Treiben des Pariser Hofes Geschmack zu finden. Dasvon schweren Lasten gedrückte Volk aber, das wenige Jahr-

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