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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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folgte ihm als der Vierzehnte seines Namens, während seineMutter Anna unter Mazarins Beistand bis zu seiner Voll-jährigkeit die Regentschaft übernahm.

Die Prinzen von Geblüt und die feudalen Herren hieltendie Gelegenheit des Thronwechsels für günstig genug, um ihrealte Machtstellung wieder zu erringen, und machten denn auchalsbald den Versuch, einen Einfluß auf die Regeutin zu ge-winnen. Allein Anna hatte sich bereits anders entschieden: siehatte sich in Mazarin verliebt, und die zarten Bande, die sichzwischen der Königin-Mutter und dem Premierminister knüpften,zeigten sich stärker, als die aristokratischen Wichtigthuer sowurden die nach der Herrschaft lüsternen Junkerlein genanntsich vorgestellt hatten.

Es ist nicht unmöglich, daß die Beziehungen Anna's zuMazarin vielleicht schon aus jenen Tagen herstammten, da dernunmehrige Premierminister als junger päpstlicher Diplomat nachParis gekommen war. Vielleicht spielt auch das oben citirteVolkslied hierauf au eine Vermuthung, der Schiller selbstin dem oben angeführten Sammelwerk Raum giebt. Jedenfallsgaben die beiden Liebenden nachträglich durch eine heimlicheTrauung ihrer Verbindung den Schein der Legitimität.

Ein klassisches Zeugniß für die Unanfechtbarkeit dieser vielumstrittenen Thatsache ist in den Briefen*) der Herzogin Char-lotte Elisabeth von Orleans, einer Schwiegertochter derKönigin-Mutter Anna, enthalten. Dieselbe schreibt:DieKönigin-Mntter hat es wohl noch ärger gemacht, als den Cardinal Ma-zarin lieb zu haben: sie hat ihn geheirathet; denn er war keinPriester, hatte keine Ordination, die ihn zu heirathen verhinderthätte." Ueber das Verhältniß selbst sagt dieselbe Prinzessin:Mazarin wurde der guten Königin abscheulich müde und lebtehart mit ihr; welches der verdiente Lohn von solchen Heirathen

*) Dieselben sind auszugsweise von Schiller, dem damaligenGeschichtsprofessor zu Jena, in der oben erwähnten Memoiren-Samm-lung mitgetheilt.