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Die Stellen der Parlamentsräthe waren innerhalb gewisser,meist bürgerlichen Familien erblich und von den früherenHerrschern, die in dem Parlament ein Gegengewicht gegen dentrotzigen Adel sahen, größtentheils um schweres Geld gekauftworden.
Als nun Richelieu, der des Adels bereits sicher zu seinglaubte, auch die Privilegien dieser bürgerlichen Pfründen-Jn-haber zu beschneiden begann, hatten ihm dieselben hartnäckigenWiderstand geleistet und ihrerseits für ihre Körperschaft eineähnliche Machtstellung angestrebt, wie sie das englische Parla-ment besaß, obschon sie mit diesem nichts weiter als denRainen gemein hatten.
Seine oppositionellen Bestrebungen hatten das Parlamentbeim Pariser Volke beliebt gemacht. Als nun die Parlaments-räthe sich gegen Mazarin und seinen italienischen Helfershelferd'Emeri, den Generalkontrolenr der Finanzen, erhoben unddie Eintragung aller neuen Steueredikte verweigerten, da jubeltedar Volk von Paris ihnen laut zu und rüstete sich, um dieAngriffe der „verruchten Ausländer" auf die verbrieften Rechtejener volksthümlichen Behörde mit ihrem Blute zu vertheidigen.Gestützt auf die Gunst des Volkes, gingen die „Parlamentarier"immer kühner gegen den Premier Minister vor. SämmtlicheOberbehörden — der Steuerhof, der Rechnungshof, der großeRath — schlössen sich dem Parlament an, schon begann manlaut und öffentlich von einer „Reformation des Staates" zusprechen. Welcher Art freilich diese geplante „Reformation"war, wird aus der Thatsache ersichtlich, daß es der erblichenGelvsack Aristokratie haupisächlich darum zu thun war, ihrevon Mazarin angetastete Steuerfreiheit zu vertheidigen.Und das geprellte Volk gab sich dazu her, für die Steuer-freiheit dieser Herren, die ihm alle Lasten aufpacken wollten,sich ins Zeug zu legen und auf die Barrikaden zu steigen!
Dir Fronde. Die königlichen Truppen standen größten-theils im Felde, nur eine geringe Anzahl derselben befand sichin Paris zur Verfügung der Negentin. Anna mußte den